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Immer mehr Kinder haben Entwicklungsdefizite
Bevor ein Kind eingeschult wird, muss es von einem Amtsarzt untersucht werden. Das Fazit: Immer mehr Kinder haben Entwicklungsdefizite. Sprache und Feinmotorik sind häufig sind nicht auf dem Stand eines Sechsjährigen. Viele Kinder leiden bereits unter Übergewicht.
Region. Schon vor der Einschulung in die Grundschule müssen sich die zukünftigen ABC-Schützen einem Auswahlverfahren stellen: Schulreif oder noch nicht schulreif, lautet die Frage. Insgesamt 1.888 Fünf-, Sechs- und Siebenjährige, meist begleitet von ihren Müttern, stellten sich in diesem Jahr den Amtsärzten des Kreisjugendamtes vor. Das Fazit der Untersuchungen: Immer mehr Kinder weisen Entwicklungsdefizite auf.
Gegenüber dem Jahr 2001 lässt sich ein hoher Anstieg der nicht ihrem Alter entsprechend entwickelten Kinder feststellen. In Bezug auf Sprache und Feinmotorik verdoppelte sich sogar die Anzahl der diagnostizierten Entwicklungsdefizite nahezu. 24 Prozent der Kinder waren bei der jüngsten Untersuchung nicht mit einer altersgemäßen Grobmotorik ausgestattet. Gegenüber 2001 hat sich die Zahl fast verfünffacht.
Hinsichtlich Fettleibigkeit (Adipositas) und Übergewicht hat sich im Vergleichzeitraum nur wenig geändert. Das Problem scheint, trotz Fitnessbewegung und einer Fülle von Ernährungstipps, nicht weg zu bekommen sein. Denn seit Jahren bewegt sich der Anteil krankhaft übergewichtiger Schulanfänger konstant auf hohem Niveau (gut 9 Prozent 2010, etwa 10 Prozent 2009, gut 7 Prozent 2001).
Erfreulich: Das dritte Jahr in Folge sank der Anteil der nicht für schulreif beurteilten Kinder mittlerweile auf fünf Prozent aller Schulanfänger. Bei diesen 93 Untersuchten wurde in 43 Fällen eine Zurückstellung empfohlen. Bei 50 Kindern rieten die Amtsärzte zum Besuch einer Schwerpunktschule oder einer Schule mit Förderschwerpunkt. Bei fast der Hälfte (44,38 Prozent) der Kinder wurde den Eltern ein Besuch bei Haus- oder Kinderarzt empfohlen. Meistens wegen anstehender Impfungen. Nur in wenigen Fällen sollte der Entwicklungsstand und Förderbedarf bis zum Schuleintritt noch einmal eingehender untersucht werden. Seit vergangenem Jahr können die Erziehungsberechtigten auch einen freiwilligen Fragebogen zum Freizeitverhalten ihrer Kinder ausfüllen. Demnach sind 32 Prozent der Kinder in einem Sportverein organisiert. Mehr als 16 Prozent haben bereits das „Seepferdchen“ oder waren im Schwimmunterricht, und 358 Kinder hatten eine musikalische Früherziehung genossen oder spielen sogar ein Instrument. Fernsehen, Internet, Spielkonsolen und andere Medien dürfen 889 der Untersuchten nicht oder nur zeitlich begrenzt konsumieren. Zwischen einer und zwei Stunden am Tag verbringen 586 Kinder mit Medienkonsum, 64 Kinder gar zwei und mehr Stunden.
Die heute recht umfangreiche Einschulungsuntersuchung ist die einzige Pflichtuntersuchung im Leben eines Menschen. Sie zeichnet daher ein verlässliches Bild des Gesundheits- und Entwicklungsstandes der Kinder. Der kinder- und jugendärztliche Dienst gibt die Ergebnisse auch an die Schulen weiter, damit diese den Förderbedarf erfassen und entsprechende Maßnahmen einleiten können.
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