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Nachricht vom 26.01.2022    

Westerwälder Rezepte - Blecheweise Hefekuchen immer samstags

Von Helmi Tischler-Venter

Dorfbewohner lebten früher nach gemeinsamen Ritualen. So war der Samstag traditionell der Putz-, Kehr-, Bade- und Backtag im ganzen Dorf. Gebacken wurde überwiegend preiswerter Hefekuchen. Da in allen Haushalten gebacken wurde, waberte samstagsmittags der Duft nach frischem Hefegebäck appetitanregend um die Häuser.

Fotos: Wolfgang Tischler

Dierdorf. Unsere Redakteurin erinnert sich lebhaft: Da Hefekuchen Zeit zum Aufgehen braucht, wurde am Morgen zuerst eine große Teigmenge mit frischer Backhefe angesetzt, bevor die Hausfrau ans Aufräumen und Putzen ging.

Meine Oma war für das Hefegebäck zuständig. Sie hatte die erforderliche Kraft für das Verkneten von zwei oder drei Kilogramm Mehl ganz ohne elektrische Haushaltsgeräte. Immer, wenn der Teig „gehen“ musste, war eine Putzaktion dran. Das Mittagessen fiel wegen der vielen Hausarbeit einfach und zeitsparend aus, daher gab es samstags immer eine dicke Suppe, meist aus getrockneten Hülsenfrüchten. Zum Beispiel Erbsensuppe oder Linsensuppe.

In meiner Heimat war es üblich, diesen Eintopf zusammen mit dem frischen Hefekuchen zu essen, in der rechten Hand den Suppenlöffel und links den Kuchen. Die herzhaft-süße Kombination ist ein Genuss!

Die Kuchenbeläge variierten saisonal, am häufigsten landeten die immer verfügbaren Äpfel auf dem Teig und immer gab es auch einfachen Streuselkuchen.

Kinder liebten besonders den sogenannten „Gewickelten“, weil er schokoladig mundete, denn in der Heferolle nach Omas Rezept waren außer Butter noch Rosinen, Kakao und Zucker eingerollt. Aber auch der „Dicke Kuchen“ war eine Leckerei, weil Kinder die Scheiben des schlichten Hefekuchens, der im Westerwald als „Hefeplatz“ bekannt ist, wie Brot mit Marmelade bestreichen durften.

Für einen „Gewickelten“, einen „Dicken“ und einen Streuselkuchen braucht man 1,5 Kilogramm Mehl, das zu Hefeteig verarbeitet und geteilt wird. Hier gibt es alle Rezepte getrennt, wobei die Teigführung immer gleich ist.

Der Hefeplatz ohne Belag ist der einfachste Hefekuchen
Zutaten:

500 Gramm Mehl
1 Würfel frische Hefe (42g)
2 Esslöffel Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
2 Eier
250 Milliliter Milch
1 großer Esslöffel flüssige Butter oder Margarine
Außerdem:
1 Eigelb zum Bestreichen

Zubereitung:
Aus Hefe, warmer Milch, zwei Esslöffeln Zucker und ein paar Löffeln Mehl den Vorteig zubereiten. Diesen zugedeckt circa zehn Minuten gehen lassen (Bis der Teig aufgegangen ist).



Restliches Mehl in eine große Rührschüssel sieben. Vanillezucker, Eier, Butter und aufgelöste Hefe dazugeben und einen glatten, nicht klebrigen Teig herstellen. Den Teig zudecken und bis zum doppelten Volumen gehen lassen. Er sollte nicht mehr an den Händen kleben bleiben, sonst Mehl zufügen.

Den Teig nach dem Gehen durchkneten und entweder in eine mit Backpapier ausgelegte Brotkastenform geben und nochmals gehen lassen oder als dicke Kuppel auf ein Backblech setzen, dann mit Eigelb bestreichen und im Backofen bei 175 Grad Ober-/Unterhitze circa 20 bis 30 Minuten backen. Dazu eine feuerfeste Schale mit heißem Wasser in den Backofen stellen.

Gewickelter
Zubereitung:

Wie beim Dicken aus Hefe, warmer Milch, zwei Esslöffeln Zucker und ein paar Löffeln Mehl den Vorteig zubereiten. Diesen zugedeckt circa zehn Minuten gehen lassen (Bis der Teig aufgegangen ist). Restliches Mehl in eine große Rührschüssel sieben. Butter und aufgelöste Hefe dazugeben und einen glatten, nicht klebrigen Teig herstellen. Den Teig zudecken und bis zum doppelten Volumen gehen lassen.

Zutaten für die Füllung:
80 Gramm Backkakao
80 Gramm Zucker
100 Gramm kalte Butter
100 Gramm Rosinen
Außerdem:
1 Eigelb zum Bestreichen
Zubereitung:
Rosinen oder Sultaninen in Wasser einweichen.

Den aufgegangenen Teig auf einer bemehlten Fläche rechteckig (etwa 50 x 40 Zentimeter) ausrollen.

Den Teig mit Kakao und Zucker bestreuen (oder mit bereits gesüßtem Kakao), dabei den Rand frei lassen. Rosinen aus dem Wasser nehmen, gleichmäßig aufstreuen und Butterflöckchen darauf verteilen. Wenn viel Kakao und Butter eingerollt werden, reißt der Teig leicht beim Backen, was dem Geschmack keinen Abbruch tut.

Von der langen Seite her aufrollen. Die Enden fest andrücken und die Rolle auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech mit der Naht nach unten setzen. Eigelb verquirlen und die Rolle damit bestreichen.

Im Backofen circa 35 Minuten bei 180 Grad backen bis der Kuchen glänzend braun ist.

Streuselkuchen
Der Teig wird genauso zubereitet wie oben. Lediglich das Einpinseln mit Eigelb entfällt.

Zutaten für die Streusel:
200 Gramm Butter
200 Gramm Zucker
300 Gramm Mehl
1 Messerspitze Salz
1 Messerspitze Zimt (nach Belieben)

Zubereitung:
Die Zutaten mit kalten Händen rasch verkneten. Falls die Masse zu klebrig ist, Mehl zugeben, denn die Streusel sollen klein sein und nicht zerlaufen. Streusel vor dem Backen gleichmäßig auf dem Hefeteig-Boden verteilen.

Den Streuselkuchen 20 bis 25 Minuten auf der zweiten Schiebeleiste von unten backen. Leicht abkühlen lassen und, falls gewünscht, mit Puderzucker bestreuen. (htv)

Guten Appetit

Falls Sie auch ein leckeres Rezept für uns haben, schicken Sie es uns gerne an redaktion@nr-kurier.de. Bitte mit selbst geschriebenem Text und mindestens einem eigenen Foto. Vielen Dank!



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Mehr dazu:   Westerwälder Rezepte  
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