Werbung

Pressemitteilung vom 04.07.2022    

Ausbau der B49 zwischen Montabaur und Neuhäusel: Naturschutzverbände sind dagegen

Die Naturschutzinitiative (NI), der Naturschutzbund (NABU) Montabaur und Umgebung und Bündnis 90/Die Grünen lehnen den dreispurigen Ausbau der B 49 zwischen Montabaur und Neuhäusel ab. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung hervor. Neben Umwelt- und Artenschutzgründen führen die Beteiligten vor allem den Verlust von Lebensraum an.

Das Foto zeigt den Endpunkt des ersten Bauabschnittes von Neuhäusel bis zum Hillscheider Stock. (Foto: NI)

"Die Naturschutzinitiative (NI), der Naturschutzbund (NABU) Montabaur und Umgebung und Bündnis 90/Die Grünen lehnen den dreispurigen Ausbau der B 49 zwischen Montabaur und Neuhäusel ab“, erklärten gemeinschaftlich Wildkatzenexpertin Gabriele Neumann und Dipl.-Biologe Immo Vollmer (beide NI), Roger Best, NABU-Vorsitzender Montabaur und Umgebung, und Sprecherin der KAG Verkehr von Bündnis 90/Die Grünen im Westerwaldkreis, Dr. Ine Schmale.

Die B 49 quert das Fauna-Flora-Habitat (FFH-Gebiet) Montabaurer Höhe mittig. Damit seien schon jetzt große Probleme der Zerschneidung des FFH-Gebietes verbunden. Diese Probleme werden sich mit dem Ausbau der B 49 trotz mindernder Maßnahmen wie Grünbrücken oder Ausgleichsflächen verstärken, so die Naturschützer. Hinzu komme, dass die Bundestraße die Kernzonen des Naturparks Nassau trenne und damit wertvolle Lebensräume zerschneide. Ebenso seien umfangreiche Flächen links und rechts der B 49 als Wasserschutzgebiet betroffen.

Wertvoller Waldbestand gefährdet
„Dem die Straße säumenden Buchenwald kommt eine hohe Bedeutung für das FFH-Gebiet und als Biotopfläche zu. Von der Altersklasse liegt meist Altwald in einer Hallenwaldstruktur vor. Die Bedeutung wird in Zukunft noch deutlich steigen, da die Stadt Montabaur im NO-Abhang parallel zur B 49 vor kurzem breite Waldstreifen von 193 ha aus der Nutzung genommen hat. Somit ist eine natürliche Alterung und ein natürlicher Zerfallsprozess des Waldes gewährleistet. Dieser sich natürlich weiterentwickelnde Südblock würde durch die Ausbaumaßnahmen besonders geschädigt werden“, erklärten NI, NABU und Bündnis 90/Die Grünen.

Verlust von Biotopen und FFH-Lebensraumtypen
Aufgrund des enorm hohen Anteils an FFH-Lebensraumtyp-Waldflächen (FFH-LRT) entlang des Ausbauvorhabens sei mit einem nennenswerten Verlust an Fläche zu rechnen, heißt es weiter. Die geplante Erweiterung von 7 auf 12 Meter - bei Erweiterung um eine eventuell noch anzugliedernde Radspur noch breiter - öffne das Kronendach des Waldes deutlich stärker als es bisher der Fall war. Die abfallende Schneise der Straße wirke wie eine Kaltluftschneise, indem frisch-feuchte Waldluft ausgeleitet werde. Je nach Witterung seien auch stark aufsteigende Luftströmungen möglich. Der fließende Verkehr dürfte die „Ventilationswirkung“ der Straße noch deutlich verstärken.

„In der Folge des Straßenausbaus ist eine weiträumige Verschlechterung des Waldinnenklimas durch Absenkung der Luftfeuchte und Austrocknung zu erwarten. Die großflächig abgestorbenen Fichtenwälder auf der Montabaurer Höhe zeigen nicht nur die ehemaligen Forstsünden mit Monokulturen auf, sie geben auch einen Hinweis auf eine Gefährdung der Waldbestände in klimatischen Extremjahren. Gerade wo Grundwasser in Teilen des Jahres hoch ansteht, haben auch die Buchen nur ein flaches Wurzelwerk ausgebildet und sind austrocknungsgefährdet. Daher ist das frisch-feuchte Bestandsklima über eine geschlossene Kronenschicht soweit wie möglich zu erhalten. Mit der Straßenverbreiterung ist somit die Gefahr großräumig kollabierender Buchenbestände gekoppelt. Besonders gefährdet ist der sogenannte Südblock, der sich in Zukunft natürlich weiterentwickeln soll“, betonten Biologe Immo Vollmer und Wildkatzenexpertin Gabriele Neumann. „Es ist damit zu rechnen, dass es zu nicht zulässigen Verschlechterungen des FFH-Gebietes kommen wird“, ergänzte Roger Best.

Biotopvernetzung wird erheblich beeinträchtigt
Durch die mittige Lage im FFH-Gebiet bestehe derzeit schon eine extreme Barriere für die Biotopvernetzung. Das FFH-Gebiet werde in zwei Teile gegliedert, betonte Biologin Dr. Ine Schmale. Die Probleme der Zerschneidung würden jedoch trotz geplanter mindernder Maßnahmen zunehmen. Mit dem Ausbau sei ein Anstieg der durchschnittlichen Verkehrsgeschwindigkeit und des Verkehrsaufkommens, insbesondere auch des Schwerlastverkehrs, zu erwarten.



„Die Montabaurer Höhe ist ein sehr wildreiches Gebiet und ein Kernlebensraum der durch Verkehr stark gefährdeten Europäischen Wildkatze, die nach wie vor auf der Roten Liste als gefährdet geführt wird. Als Maßnahmen der Minderung der Zerschneidungswirkung sind eine Wildbrücke und weitere Kleintierunterführungen vorgesehen. Damit wäre auch eine kilometerlange Zäunung notwendig, die die Zahl der Unfälle reduzieren soll, sowohl für Mensch als auch Tier. Mit der Zäunung ergibt sich ein Flaschenhalseffekt, der den Austausch zwischen den Teilgebieten des FFH-Gebietes verlangsamen wird. Im Sinne des Verbesserungsgebotes zum FFH-Gebiet sind somit auch ohne eine Fahrbahnverbreiterung Maßnahmen zur Reduktion der Zerschneidungswirkung notwendig, insbesondere die Errichtung der ohnehin notwendigen prioritären Grünbrücke, wie bereits 2012 im Bundesprogramm Wiedervernetzung schriftlich festgehalten und 2014 in einem vom LBM beauftragten Gutachten festgestellt wurde. Getan hat sich seit 10 Jahren jedoch nichts“, kritisiert Gabriele Neumann.

Erhebliche artenschutzrechtliche Probleme
Stark von Straßenbaumaßnahmen betroffene Artengruppen seien Wirbeltiere wie die Wildkatze und Rotwild, aber auch Amphibien und Reptilien.
Fledermäuse als Zielarten des FFH-Gebietes Montabaurer Höhe sind Großes Mausohr und Bechsteinfledermaus, die auch im Umfeld der Straße nachgewiesen wurden. Mit der Auflichtung von Beständen werden sich auch Habitat-Bedingungen nachteilig ändern, so die Naturschützer. Die im Umfeld der B 49 vorhandenen Hallenwälder seien grundsätzlich bevorzugtes Jagdhabitat des Großen Mausohrs. Der Bewirtschaftungsplan des FFH-Gebietes betone ausdrücklich die Kollisionsgefahr für die Bechsteinfledermaus an der B 49.
„Es besteht weiterhin die Gefahr, dass es zu Einbußen an weiteren waldtypischen Tiergruppen wie Spechte, Hohltaube und Fledermäuse kommen wird. Im Bewirtschaftungsplan werden als weitere wertgebende Arten, die im Umfeld der B 49 auch vorkommen könnten, Schwarzspecht, Grauspecht, Rauhfußkauz, Dunckers Quellschnecke, Zwergfledermaus, Gestreifte Quelljungfer und Zweigestreifte Quelljungfer genannt“, so Roger Best.

Schutz des Grund- und Oberflächenwassers gefährdet
„Die B 49 verläuft auf einem herablaufenden Höhenrücken Richtung Montabaur, von dem Bäche rechts wie links der Straße entspringen. Durch die Entwässerung der Straße können die Oberläufe der Bäche geschädigt werden. Auch die Versickerung mit der schutzrelevanten Auffüllung der in dem Bereich vorhandenen Wasserschutzgebiete können negativ betroffen sein“, erklärte Dr. Ine Schmale.

Nicht nur die Natur, sondern auch Kulturdenkmäler würden durch das Planvorhaben beeinträchtigt: Die B 49 schneide den Limes (Kulturdenkmal „Römerturm“) und könne die Kulturdenkmäler Wegekreuz und Stundenstein am „Hillscheider Stock“ beeinträchtigen.

„Die bestehenden Beeinträchtigungen der B 49 auf das umliegende FFH-Gebiet und den hier vorkommenden schutzrelevanten Arten erfordern auch ohne den Ausbau der B 49 Maßnahmen, die die Barrierewirkung der Straße mindern. Wir fordern daher die Landesregierung auf, den geplanten dreispurigen Ausbau aufzugeben. In der Zeit des Artensterbens, dem Verlust an Biodiversität und Lebensräumen sowie der Klimakrise sind derartige Planungen nicht zu verantworten. Sie passen nicht in die Zeit und auch nicht in ein europäisches FFH-Gebiet oder einen Naturpark. Außerdem sind sie nicht notwendig!“, so Gabriele Neumann und Immo Vollmer, (NI), Roger Best (NABU) und Dr. Ine Schmale, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. (PM)


Lokales: Montabaur & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Frühlingszeit, Zeckenzeit: Was Hunde, Katzen & Menschen jetzt wissen müssen

Nach einem milden Winter sind die Zecken wieder unterwegs und machen nicht nur uns Menschen, sondern ...

Das Raiffeisenmuseum in Hamm: Genossenschaftsidee zum Anfassen

Im kleinen Hamm an der Sieg steht das Geburtshaus des großen Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888), ...

Montabaur feiert erfolgreiche Premiere der Lachnacht

Die "1. Montabaurer Lachnacht" lockte am 2. April zahlreiche Besucher in die Stadthalle Haus Mons Tabor. ...

Generationenwechsel im Berufsbildungsausschuss der HwK Koblenz

Der Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer Koblenz hat sich neu formiert. Langjährige Mitglieder ...

Einführung von Pfarrer Michael Zopf in Rennerod: Ein neuer Abschnitt für die Gemeinde

Die Evangelische Kirchengemeinde Rennerod hat Pfarrer Michael Zopf in einem festlichen Gottesdienst offiziell ...

Abiturfeier am Mons-Tabor-Gymnasium: Ein magischer Abschied

Am 31. März verabschiedete das Mons-Tabor-Gymnasium 95 Abiturientinnen und Abiturienten. Die Feierlichkeiten ...

Weitere Artikel


Ein neues Kapitel Feuerwehrgeschichte: Neunkhausen hat jetzt eine Bambini-Wehr

Nach zwei pandemiebedingt schweren Jahren mit erheblichem Stillstand auch in den Feuerwehren schaut die ...

"Gelbbachtag": L 313 und 325 werden gesperrt

Am Sonntag, 10. Juli, findet der alljährlich wiederkehrende autofreie "Gelbachtag" als Erlebnistag für ...

Gerrit Müller wieder zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rennerod ernannt

Gerrit Müller bleibt Bürgermeister der VG Rennerod und hält nun auch offiziell die Ernennungsurkunde ...

Schützenfest Altenkirchen 2022: Drei Tage Tradition und Lebensfreude

Das Fest der Schützengesellschaft Altenkirchen war in diesem Jahr einen Tag kürzer als üblich. Die Verantwortlichen ...

Ukrainische Familie erhält dank "Wäller Helfen" eine Autospende

Gemeinsam statt einsam: Unter diesem Motto spürt das Team von "Wäller Helfen" gerade in der aktuellen ...

Volksparteien auf kommunaler Ebene - wohin geht die Entwicklung?

Die vergangenen Parlamentswahlen im Nachbarland Frankreich haben einmal mehr gezeigt: die großen Volksparteien ...

Werbung