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Nachricht vom 20.11.2022    

Folk & Fools präsentierte in Montabaur erstmals den Nachbarn Österreich

Von Helmi Tischler-Venter

Nach dem gut besuchten „Variete´-Special“ am Freitagabend, warteten die Besucher in der Stadthalle Montabaur am Samstag, dem 19. November auf den Kabarettisten Severin Gröbner und die Band „Hotel Palindrone“ aus Österreich. Diese hervorragende Veranstaltung hätte mehr Zuschauer verdient gehabt. Der Kleinkunstbühne Mons-Tabor fehlt finanziell der vor Corona übliche Besucherandrang.

Band "Hotel Palindrone" in der Stadthalle Montabaur. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Montabaur. Auch personell wird die Decke für den Veranstalter immer dünner, daher erging von Organisator Uli Schmidt der Appell, sich bei Interesse an der Mitarbeit zu melden unter uli@kleinkunst-mons-tabor.de.

Die Arbeit der Kleinkunstbühne ist wertvoll und einzigartig, denn immer wieder ermöglicht sie Premieren, so beim 32. Wäller Kleinkunstfestival "Folk & Fools" die Kultur des Nachbarlandes Österreich mit außergewöhnlichen Künstlern.

Der vielfach ausgezeichnete Kabarettist Severin Gröbner war in seinem Programm „Gut möglich“ ganz bei sich. In einem tiefsinnigen Lebens-Rückblick, der in die Zukunft führte, stellte er fest, dass er nicht geplant hatte, 50 Jahre alt zu werden. Eigentlich hatte er in den Club der 27-Jährigen aufgenommen werden wollen, um mit Amy Winehouse und Kurt Cobain im Nirvana zu schwelgen. Aber da Gröbner die Weltberühmtheit fehlte, musste er zwangsläufig weiterleben in einer Welt, die „VUCA“ ist: unbeständig, unsicher, komplex und mehrdeutig. Das macht Angst!

Der Künstler blickte gelassen zurück auf Klimawandel und andere Angst erzeugenden Katastrophen, denn er war reich geworden durch einen Witz. Misstrauisch sei er geworden, als ihm 2025 eine Villa in Blankenese für einen Euro angeboten wurde. Die Meere kamen immer näher, er besuchte die Dämme-Bauarbeiter im Hunsrück und Westerwald, um ihnen seinen Durchhaltewitz zu erzählen. Es wurde immer heißer, die Pole sind abgeschmolzen und Paris sowie Berlin sind Unter-Wasser-Erlebnisparks. Die Chinesen haben alle Staaten vereinnahmt, eine digitale Demokratie eingeführt und dabei freundlich gelächelt.

Gröbner gestand, er bastele heimlich an seiner zweiten Karriere. Nach fünf immer jüngeren Frauen und einer Ziege, sei sein letzter Lebenspartner ein vierjähriger Pflege-Roboter. Andreas Gabalier habe die Macht übernommen und Außerirdische hielten den beständig im Planeten buddelnden Menschen für einen suchenden Homo phobens.

Mit viel Witz verlieh der Künstler der Apokalypse einen komischen Drall und bot als Zugabe wahlweise ein Lied über den Weltuntergang oder das Leben an. Das Publikum entschied sich für das Leben.



Nach der Pause kündigte Uli Schmidt vier Weltmusiker mit 20 Instrumenten an, virtuose Multi-Instrumentalisten, die bereits in 25 Ländern aufgetreten sind und sechs internationale Preise errungen haben. Mit einem schwungvollen Jodellied zu Geige, Dudelsack, Ziehharmonika und Gitarren eröffneten die Alpenländler ihr Konzert.

Stephan Steiner beherrscht meisterlich Geige, diatonisches Akkordeon, Drehleier, Nyckelharpa und Gesang. Albin Paulus ist ebenfalls zuständig für Gesang und Jodeln, er spielt zudem Dudelsäcke, Klarinette, Maultrommel, Schalmeien und Flöten. Andreas Neumeister ist Sänger und Gitarrist. Peter Natterer ist der Spezialist für Saxofon, E-Bass, Piano, Melodica und Beatboxing.

Mit diesem gewaltigen instrumentalen Background und den beiden Prinzipien, dass ein Song entweder einen Jodler enthalten oder zum Tanzen animieren müsse, ansonsten aber alles erlaubt sei, kombinieren die Musiker Klassik, Jazz und Folklore-Elemente zu einer schwung- und genussvollen Melange. Mit bisher ungehörten Klangwelten brachte das Quartett Stimmung in die Stadthalle.

Tanzen ließen die Zuhörer nur ihre Hände, das allerdings sehr intensiv. So kamen die Österreicher erst nach zwei Zugaben von der Bühne: ureigenen und variantenreichen Interpretationen von Sheryl Crows Song „Are you strong enough to be my man?“ und dem „weltbesten Stück Come by the Hills“. Beim Finale brachten die Musiker die Montabaurer Gäste sogar zum kollektiven Jodeln.

Das Programm für die fünf Kulturveranstaltungen in 2023 steht bereits. Den Anfang macht „Kabarett am Gelbach“ am 28. und 29. Januar in der Gelbachtalhalle in Montabaur-Ettersdorf mit Stefan Waghubinger. Weitere Informationen sind unter www.kleinkunst-mons-tabor.de zu finden. (htv)



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