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Nachricht vom 13.12.2022    

Für drei Kreise: Qualitätssiegel im Kampf gegen multiresistente Erreger verliehen

Sie sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Aber sie sind allgegenwärtig. Manche sind harmlos, manche nicht. Inzwischen gelten einige Bakterien als multiresistent und lassen sich nur ganz schwer bekämpfen.

Diese Vertreter der Einrichtungen aus dem Westerwaldkreis erhielten jeweils das Qualitätssiegel. (Foto: vh)

Altenkirchen/Montabaur. Bakterien gehören zum Leben wie Luft und Wasser. Über Jahrzehnte hinweg haben einige ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Antibiotika erheblich erhöht, gelten inzwischen als multiresistente Erreger (MRE). Um ihnen den Nährboden zu entziehen, können sich Mitarbeiter von Krankenhäusern, Seniorenheimen & Co. in den Kreisen Altenkirchen, Westerwald und Rhein-Lahn speziell unterweisen lassen, um die Voraussetzungen zu schaffen, den Krankheitsauslösern so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten. Final steht die Aushändigung von Qualitätssiegeln des MRE-Netzwerkes, die entweder für drei Jahre (Neuzertifizierung) oder vier Jahre (Rezertifizierung) gelten. „Zweifellos hat Corona manches Thema aus der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund gedrängt, die multiresistenten Erreger gehören dazu. Gleichwohl: Eine Studie der
europäischen Seuchenbehörde ECDC macht die Bedrohung durch multiresistente Erreger deutlich: In Europa sterben jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen an Infektionen mit solchen Keimen. Diese Zahl stammt aus dem Jahr 2018“, erklärte Altenkirchens Landrat Dr. Peter Enders bei der vierten Verleihung der speziellen Urkunden nach 2015, 2016 und 2019 am Dienstagnachmittag (13. Dezember) im Forum des Altenkirchener Westerwald-Gymnasiums, „Experten der Berliner Charité befürchten, dass 2050 mehr Menschen an multiresistenten Keimen sterben könnten als an Krebs.“ Die wichtigsten Gegenmaßnahmen seien „uns allen bekannt: konsequente Hygiene und weniger Einsatz von Antibiotika“.

Wachsende Besorgnis
Das Robert-Koch-Institut registriere, so Enders weiter, die Zunahme von multiresistenten Erregern mit wachsender Besorgnis. Ein erfolgreicher Umgang mit MRE sei nur durch ein regional abgestimmtes Handeln innerhalb der medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen, Pflegeheime, Arztpraxen, Pflegedienste etc. möglich, hieße es aus Berlin. „Und genau das tun wir eben mit unserem bei den Gesundheitsämtern angesiedelten MRE-Netzwerk. Unsere Ziele sind klar definiert: Aufklärung der Bevölkerung und Schulung von Personal in medizinischen und pflegerischen Berufen sowie die Weiterentwicklung der Hygienestandards“, ergänzte Enders. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe dargelegt, dass Multiresistenzen ein weltweit großes Problem seien, erläuterte Dr. Manfred Vogt, Leiter der Abteilung Humanmedizin des Landesuntersuchungsamtes Rheinland-Pfalz. Vor Ort müssten Lösungen herbeigeführt werden, das sei in der Corona-Pandemie gelernt worden. 600.000 MRE-Infektionen gebe es pro Jahr in Krankenhäusern, nach Expertenmeinung könnte diese Zahl bei konsequenter Beachtung der Hygiene um ein Drittel reduziert werden. In Rheinland-Pfalz existierten neun Netzwerke dieser Ausrichtung, „das der drei Landkreise Altenkirchen, Westerwald und Rhein-Lahn ist für mich vorbildhaft“, lobte Vogt, „seine Entwicklung ist für viele in Rheinland-Pfalz wegweisend. Das Land dankt für ihre Aktivität.“ Zudem sollten Netzwerke in benachbarten Bundesländern im Blick behalten werden. „In Deutschland sind es mittlerweile unter Moderation des öffentlichen Gesundheitsdienstes über 100 regionale Netzwerke im MRE-Kontext, die sich austauschten“, ergänzte Enders. Grußworte sprachen Sarah Omar (Leiterin des Gesundheitsamtes des Westerwaldkreises) und Gisela Bertram (erste Beigeordnete des Rhein-Lahn-Kreises). Der Frauenchor Breitscheidt sorgte für den musikalischen Part.



MRE-Netzwerk im AK-Land 2014 gegründet
Das MRE-Netzwerk im Kreis Altenkirchen wurde im Jahr 2014 von Dr. Wolfgang Dörwaldt gegründet, ein Jahr später um die Kreise Westerwald und Rhein-Lahn erweitert. Seit vier Jahren ist Judith Mermet, die die Abläufe bis zum erfolgreichen Abschluss der Zertifizierung auch anhand von statistischem Material erläuterte, die Nachfolgerin Dörwaldts als Netzwerkkoordinatorin im Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Altenkirchen. Da der Westerwaldkreis vom kommenden Jahr an die Führung des Netzwerkes übernimmt, wechselt Mermet nach Montabaur, dem Sitz der Kreisverwaltung des Westerwaldkreises. Heinz Uwe Fuchs als Leiter des Gesundheitsamtes Altenkirchen verabschiedete sie per Blumenstrauß. Im ersten Quartal 2023 sollen wieder Zertifizierungen und Rezertifizierungen beginnen. Die Inhalte des Hygienesiegels umfassen, so die Homepage des Kreises Altenkirchen, wichtige Aspekte der Basishygiene, erregerspezifische Maßnahmen zu Prävention und Kontrolle multiresistenter Erreger und organisatorische Aufgaben der Hygiene in Pflegeeinrichtungen. Mit der Teilnahme am Hygienesiegel wird der Austausch untereinander innerhalb der drei Landkreise sowie die Zusammenarbeit mit dem MRE-Netzwerk und den Gesundheitsämtern im Sinne des Leitgedankens „Gemeinsam gegen antibiotikaresistente Keime und andere Infektionserreger“ gefördert. Fortbildungen, Inhouseschulungen und Beratung bei der Erstellung/Aktualisierung der Hygienepläne werden ebenfalls in diesem Rahmen angeboten.

Zertifiziert und rezertifiziert
Rezertifizierung: DRK-Krankenhaus Altenkirchen-Hachenburg, St.-Elisabeth-Krankenhaus Lahnstein, evangelisches Krankenhaus Dierdorf/Selters, (Selters), Herz-Jesu-Krankenhaus Dernbach, GKM-Paulinenstift Nastätten, Alten- und Pflegeheim St. Barbara Mudersbach, Seniorenpflegeheim Sonnenhang Mehren, Alloheim Am Kurpark Bad Marienberg, Alloheim Seniorenresidenz Anna Margareta Bad Marienberg, DRK Am Stadtwald Bad Marienberg, DRK-Seniorenzentrum Sonnenhof Bad Marienberg, DRK-Seniorenpark am Rothenberg Hachenburg, DRK-Seniorenpark Schlossblick Westerburg, DRK Merzenborn Wirges, Caritas-Altenzentrum Haus Helena Hachenburg, Seniorenzentrum St. Agnes Dernbach, Seniorenzentrum St. Josef Dernbach, Seniorenzentrum Bethesda Höhr-Grenzhausen, Caritas St. Josef Arzbach, Hospitalfons Montabaur, Evim-Buchner-Haus Westerburg, Haus Welterswald Weltersburg, Stiftung Scheuern Haus Rosengarten Nassau, Georg-Vömel-Haus Bad Ems, Stiftung Scheuern Laurenburg, Häuslicher Pflegedienst W. Hammer Kausen, Pflegedienst Fauna Altenkirchen, Konfido amb. Altenkirchen, Kirchliche Sozialstation Altenkirchen und Medina Service Ransbach-Baumbach.
Zertifizierung: Paracelsus Klinik Bad Ems, Rehaklinik Lahntalklinik Bad Ems, Helianthus amb Intensivpflege Hattert, Evim amb. Rennerod/Westerburg und Kurzzeitpflege St. Elisabeth Lahnstein. (vh)


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