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Pressemitteilung vom 09.02.2023    

NABU Rennerod fordert: Keine weiteren Rodungen in der Nister-Bachaue

Die Behörden hatten den Gehölzrückschnitt zwar genehmigt, aber die Mitglieder des NABU Rennerod waren damit alles andere als glücklich: Die Naturschützer kreiden an, dass Anfang Februar im Bachtal der Nister unterhalb von Großseifen und Langenbach Rodungsarbeiten stattgefunden haben. Gefällt wurden rund 50 Bäume, die meisten davon Schwarzerlen.

Entlang der Nister wurden rund 50 Bäume gefällt. (Fotos: NABU Rennerod)

VG Rennerod. "Der Gehölzrückschnitt war zwar genehmigt, wurde aber anscheinend nicht mit Naturschützern, Bachpächtern und Gewässer-Fachleuten abgestimmt", so wundern sich die NABU-Aktiven in einer Pressemitteilung. Dabei existiere seit 2014 für die Große und Kleine Nister ein NATURA 2000-Bewirtschaftungsplan für Fließgewässer und angrenzenden Auwälder mit Erlen und Eschen. Die Maßnahmenplanung, so die Interpretation des NABU, spreche eine klare Sprache: Gewässer- und Uferbereich sind sich selbst zu überlassen, eine naturnahe Waldwirtschaft zu betreiben und die Anteile von Alt- und Totholz zu erhöhen.

Beim NABU sorgt das aktuelle Vorgehen für Verwunderung: "Es ist kaum zwei Monate her, da trafen sich im Dezember 2022 die Naturschutzgebietsbeauftragten mit Vertretern der Kreisverwaltung an der Westerwälder Seenplatte. Die gute Zusammenarbeit von Behörden und engagierten Bürgern vor Ort im Naturschutz wurde beschworen. Das Gesagte hält jedoch nicht der Realität stand."

Ihre Forderung formulieren die Naturschützer klar: "Wir müssen vorab über geplante Rodungen in Naturgebieten informiert werden." Die Mitteilung, es würde "ja wieder nachwachsen", reiche nicht: "Gerade bei stärkeren Bäumen dauert es Jahre, bis entstandener Naturschaden sich auswächst und artenreiche Lebensräume wieder die gleiche Wertigkeit erlangen, wenn nicht zuvor schon wieder abgeschnitten wird."

Rodungen für Fotovoltaik?
Auch über den Grund der Rodungsaktion schütten die NABU-Aktiven den Kopf: "Die Bäume wurden gefällt, weil auf dem Dach vom Wasserhaus eine Fotovoltaik-Anlage aufgestellt werden soll", so erklären sie in ihrer Pressemitteilung. Fotovoltaik benötigt Licht, um daraus Energie zu erzeugen, der Bach aber brauche Schatten für kühles Wasser besonders in langen heißen Dürresommern.

"Fraglich erscheint uns die Effizienz der geplanten Anlage im Verhältnis zu den Anschaffungskosten", so der NABU weiter. "Direkte Sonneneinstrahlung ist hier im tief eingeschnittenen Nistertal nur auf wenige Stunden täglich begrenzt." Zu befürchten sei, dass die Rückschnitte auf der anderen Bachseite fortgesetzt und alle Jahre wiederholt werden: "CO2 wird freigesetzt, Natur eingeschränkt, insgesamt mehr Schaden als Nutzen für teures Geld."

Bereits jetzt leidee die Nister schon im zeitigen Frühjahr unter Niedrigwasser. Bedrohte Fischarten, Wasserinsekten und andere Lebensgemeinschaften, die auf das kühle Nisterwasser angewiesen sind, werden durch die intensive Sonneneinstrahlung vermehrt gestresst. Auf dem besagten Nisterabschnitt zwischen Höhn und Langenbach gesellen sich zwei Kleinwasserkraftanlagen zu den bereits angesprochenen Problematiken hinzu. Seit vielen Jahren werde zur Stromerzeugung von einer der beiden Mühlen so viel Wasser aus der Nister entzogen, dass diese auf einem Abschnitt von mehreren hundert Metern vom späten Frühling bis in den Herbst komplett trockenfällt, obwohl der Bach im Rahmen der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie als gesetzlich geschütztes Biotop gelte. Wasser fließe dann nur noch den Mühlgraben entlang. Ein Gutachten, dass eine geregelte Wasserentnahme dieser Mühle festlegen soll, sei ebenfalls seit 2014 überfällig.



Hohe Belastungen für die Nister
"Diese negativen menschlichen Einflüsse dürfen nicht länger in Bachauen einwirken", fordert der NABU. "Klimawandel und allgegenwärtiger Haushalts- und Gewerbemüll sind schon Belastung genug." Hinzu komme noch die ständig anwachsenden Einleitungen durch Kläranlagen und Regenrückhaltebecken mit ungeklärten Abwässern, deren Volumen durch die Erschließung von Neubau- und Gewerbegebieten zunehme, während die Nister, auch gerne als "Perle des Westerwaldes" betitelt, durch klimatische Veränderungen an eigenem Wasser verliert.

"Keine negativen menschlichen Einflüsse soll aber nicht heißen, dass wir Menschen komplett aus der Bachaue aussperren wollen", stellen die Naturschützer klar. "Voriges Jahr im April führten wir eine Bachbegehung mit einem Gewässerökologen und einer Naturpädagogin durch, waren auf dem Rückweg auch an dem Wasserhaus, wo jetzt die Bäume gefällt wurden, vorbeigekommen. Es war ein stimmungsvoller schöner Frühlingstag. Zahlreiche Naturinterressierte haben sich mit uns auf eine informative Exkursion begeben." Die Kinder hatten viel Spaß beim Keschern mit Gummistiefeln im Bach und verglichen ihren Fang mit den Abbildungen auf den Anschauungstafeln.

Schatten und Totholz fehlen
Umso erschreckender sei es gewesen, dass wenige Wochen nach der Exkursion die eigentlich geschützte Bachaue "Schauplatz einer teilweisen Rodung" wurde: "Unmittelbar am Nisterufer fehlen jetzt wichtige Schattenbäume, die neben ihrer Funktion als Schlafbäume für seltene Fledermausarten auch den Vögeln der Aue Lebensraum bieten." Wertvolles Totholz wurde aus der Nister entnommen. Das führe normalerweise zu Staus, Wirbeln und Umlenkungen, seichten Flachwasserbereichen und tiefgründigen Auskolkungen und werde somit zum Motor der Lebensraumvielfalt am Bach. "Zum Abschluss machte die Forstmaschinerie bei der Bergung des Holzes empfindliche Uferstrukturen des Baches platt" ärgert sich der NABU. "Das war so sicher nicht vorgesehen im Bewirtschaftungsplan."

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: "Die Nister im Oberlauf beginnend bei Fehl-Ritzhausen bis Hahn besitzt eine einmalige felsige Struktur. Ihren naturnahen und ursprünglichen Verlauf durch intakte Auwälder darf sie nur auf einem sehr begrenzten Areal entfalten. Umso wichtiger ist es, dieses Gebiet langfristig zu schützen und seitens der Wasser- und Forstnutzung so nachhaltig wie möglich zu agieren. Eingriffe in diesen schützenswerten und empfindlichen Naturhaushalt unter dem Deckmantel der erneuerbaren Energie stellen keine Option dar."

(Pressemitteilung NABU Rennerod)


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