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Nachricht vom 02.03.2023    

"Wüsten WM oder wüste WM?!" - spannender Projekttag am Raiffeisen-Campus in Dernbach

Von Wolfgang Rabsch

One-Love-Binde, Menschenrechtsverletzungen und Fernseh-Boykott - im vergangenen Winter ist die Fußball-WM in Katar heiß diskutiert worden. Was können wir aus diesen Diskussionen für die Organisation kommender sportlicher Großereignisse lernen?

Anno Hecker auf der Bühne des Raiffeisen-Campus. (Fotos: Wolfgang Rabsch)

Dernbach. Zu der Frage, was man aus der Diskussion um die vergangene WM lernen könne, hatten die Zehntklässler des Raiffeisen-Campus zwei Experten zur Podiumsdiskussion "Wüsten-WM oder wüste WM?!" nach Dernbach eingeladen. Zu Gast waren Tilmann Engel (Direktor der Fußball-Liga von Katar von 2007 bis 2009) und Anno Hecker (Ressortleiter Sport bei der FAZ), die die Situation vor Ort und die Fußball-WM aus ihrer sportlichen, ethischen und medialen Perspektive diskutierten.

Drei Themen beherrschten die Diskussion
Menschenrechte, Sportswashing und Verantwortung. Zu jedem dieser Themen gesellten sich verschiedene Schüler (im Raiffeisen-Campus werden diese Lerner genannt) zu den Experten, die Fragen aus dem Publikum beantworten sollten.

Bei dem Thema Menschenrechte gingen die Meinungen beider Experten noch etwas auseinander. Tilmann Engel sah eine positive Entwicklung in Katar nach der Entscheidung der FIFA, die WM 2022 nach dort zu vergeben. Er bestritt nicht, dass in Katar einiges im Argen gelegen habe und noch längst nicht alles erreicht worden sei. "Die Medien haben von Anfang an alles schlechtgemacht, was mit Katar zu tun hatte. Für Putin war dieses Katar-Bashing das Beste, was ihm passieren konnte, weil er mit seinem Russland nicht mehr die Schlagzeilen beherrschte. So wurde verkannt, dass tatsächlich in vielen Bereichen in dem Golfstaat Verbesserungen in Bezug auf Arbeitsbedingungen und Frauenrechte stattgefunden haben, wenn auch langsam", meinte Engel.

Zu Tilmann Engel ist zu sagen, dass er eine starke Verbindung zu dem Wüstenstaat hat, weil er von 2007 bis 2009 Direktor der dortigen Fußball-Liga war. Engel stellte auch die Behauptung auf, dass in Katar keine Oppositionellen gefoltert oder sogar getötet würden.

Anno Hecker sah das etwas anders, denn beim Thema der asiatischen Bauarbeiter, die zu Tausenden in Katar gestorben sein sollen, hielt sich die katarische Regierung fein raus. Die Aufträge zur Fertigstellung der WM-Stadien wurden an Unternehmen vergeben, die wiederum die Aufträge an Sub-Sub-Subunternehmer weitergaben. Hacker kritisierte auch, dass die FIFA sich nicht an die eigenen Vergaberegeln halten würde. Genau wie beim IOC sollen Sport und Politik auseinandergehalten werden, obwohl inzwischen einige Machthaber Weltmeisterschaften und Olympische Spiele dazu benutzen, ihr eigenes Image und das ihres Landes, aufzupolieren. Hecker bestätigte, dass tatsächlich die weltweite mediale Kritik an Katar zu Verbesserungen geführt hätten.



Was ist Sportswashing?
Als Sportswashing (Wortzusammensetzung aus Sport und Whitewashing) werden Bestrebungen bezeichnet, das Ansehen des eigenen Landes durch die Veranstaltung von Sport-Events und deren positives Ansehen in den Medien zu verbessern. Bei diesem Thema waren sich beide Experten einig. Als Beispiele wurden Russland und China angeführt, aber auch Hitlers Nazi-Regime 1936, die trotz dramatischer Menschenrechtsverletzungen Olympische Spiele und Weltmeisterschaften zugesprochen bekamen. Diese Großereignisse wurden hemmungslos ausgenutzt, um der Weltöffentlichkeit ein ganz anderes Bild vorzugaukeln. Nach Beendigung der Wettkämpfe ging man wieder schnell zur Tagesordnung über. Hecker kritisierte sich selbst als Sportjournalist bei der FAZ, weil er und seine Kollegen zum Beispiel nach der Okkupation der Krim durch Russland sich zu sehr mit der Homophobie in Russland befasst hätten und diese anprangerten.

Engel bestätigte, dass die WM 2022 in Katar im arabischen Raum, aber auch in der weltweiten medialen Beobachtung, als durchaus gelungen beurteilt wurde. Das Ansehen Katars und die weltweite Anerkennung haben sich auf jeden Fall vollumfänglich ausgezahlt.

Verantwortung und Nachhaltigkeit
Mit diesen Themen befasste sich eine weitere Schülergruppe, die sich nicht als radikale Klimaaktivisten entpuppten, sondern sachlich mit diesem aktuellen Thema umgingen. Die Experten gaben ihnen unumwunden recht, dass es ein Unding sei, aus Gründen des Sportswashings riesige Arenen aus dem Boden zu stampfen, wie zum Beispiel in Südafrika oder Brasilien. Ein Großteil dieser Stadien würde allmählich verrotten, weil sie nicht nachhaltig gebaut wurden und kaum noch genutzt werden. Lobende Anerkennung fand der Versuch Katars, mithilfe der Containerstadien für Nachhaltigkeit zu sorgen.

Was ist ein Container Stadion?
Das Stadion wurde ¬– wegen der Telefonvorwahl Katars 00974 – aus 974 Schiffscontainern gebaut. Es sollte als Beispiel dienen, da es weniger Baumaterial benötigte und so schnell und angeblich kostensparender erbaut werden konnte. Zudem kann es komplett zurückgebaut und an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

Die gut zweistündige Veranstaltung kann als erfolgreich bezeichnet werden, da die Schüler mit eigenen Anregungen und Vorstellungen, natürlich auch mit Unterstützung der Schulleitung, den Projekttag in Eigenregie organisierten. Dafür kann allen Beteiligten ein großes Lob ausgesprochen werden.



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