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Nachricht vom 15.09.2011    

Orgeltriduum in der Abteikirche Marienstatt

Drei Konzerte, drei Organisten der Spitzenklasse, drei Länder - vereint an einer Orgel mit einem Ziel: das friedliche Miteinander der Kulturen und die Präsentation der Kunst an der Orgel. Das Marienstatter Orgeltriduum bot eine Reise durch Europa mit faszinierender Musik.

Marienstatt. Im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz bestritten drei erstklassige Kirchenmusiker aus Polen, Tschechien und Deutschland das traditionelle Orgeltriduum in der Abteikirche.
Michael Markuszewski (Warschau) eröffnete die Reihe internationaler Orgelkonzerte in Marienstatt. Der Organist der Evangelisch-Reformierten Kirche in Warschau hatte viel Musik aus seinem Heimatland im Programm. So hörte das Publikum August Freyers Konzert-Variationen über das russische Nationallied von Lvoff als erstes Werk des diesjährigen Orgeltriduums. Kraftvoll präludierend und mit einem pompösen Abschluss gab der Organist damit einen Vorgeschmack auf den weiteren musikalischen Verlauf.
Mieczysław Surzyński war einer der bedeutendsten Kirchenmusiker Polens im 19. und 20. Jahrhundert. Seine Improvisationen über das polnische Kirchenlied „Święty Boże“ folgen den Prinzipien der Charaktervariation. Das Werk verdankt seine außerordentliche Beliebtheit in Polen nicht nur seiner überzeugenden musikalischen Gestaltung, sondern vor allem dem Bekanntheitsgrad des Chorals „Święty Boże“, welches als Vorlage gilt. Markuszewski brachte den Zuhörern mit großer musikalischer Kunst ein Stück der polnischen Kultur nahe.

Die musikalische Reise führte im folgenden Konzert nach Tschechien; František Vaníček, mehrfacher Preisträger und Dozent an der Universität Hradec Králové, interpretierte Werke von Gabrieli, de Grigny, Bruhns und Bach. Mit Bohuslav Matěj Černohorskýs „Toccata C-Dur“, geschrieben im Pachelbel-Stil, präsentierte er ein Werk eines bemerkenswerten böhmischen Komponisten der Barockzeit, von dem nur wenig Orgelmusik erhalten ist. Auch „Vigile“ ist ein tschechisches Werk des Komponisten Bohuslav Matinů, mit dem Vaníček überzeugend die Basilika mit meditativen Klängen erfüllte. Ein weiteres Glanzstück des zweiten Konzerts war Petr Ebens Zyklus „Job“, das auf dem Buch Hiob im Alten Testament basiert.

Das Orgeltriduum erreichte seinen Höhepunkt am 11. September im dritten und letzten Konzert, zu dem Stefan Madrzak begrüßt wurde. Der Domorganist aus Soest stimmte sein Programm auf den zehnten Jahrestag der Terroranschläge in den USA ab. Mit Jean Alains „Litanies“ stand am Anfang der Gedenkstunde ein inständiges Gebet, dessen litaneiartige Anrufungen sich immer mehr bis zu einem dramatischen Schluss steigerten. Eine Partita von Madrzak selbst im Stil der Renaissance stellte einige Soloregister der Rieger-Orgel vor und beeindruckte durch ihre Vielfältigkeit. Ebenfalls ein Ergebnis eigener Kunst zeigte der Domorganist in der „Hommage à Johannes Brahms“, geprägt von wuchtigen Akkorden, filigranen Arpeggien und aparten Registrierungen.
Der Zuhörer konnte Brahms Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ darin wieder finden. Mit der „Toccata und Fuge“ interpretierte Madrzak ein weiteres Bachsches Werk – das wohl berühmteste der Orgelliteratur. Ergreifend erklang schließlich „Adagio für Streicher“ von Samuel Barber in der Abteikirche. Es ist das bekannteste Werk Barbers, das nach den Anschlägen 2001 immer wieder gespielte wurde. Resignation ist der Grundcharakter dieser Komposition, die aber doch ein friedvolles Ende in Dur findet. Madrzak bewegte das Publikum sichtlich und verband sein gesamtes Konzert gefühl- und stilvoll mit Themen des Trauerns und Gedenkens.
Das Marienstatter Orgeltriduum 2011 führte durch zwei benachbarte europäische Länder, deren gemeinsame Geschichte vor allem im letzten Jahrhundert unter einem denkbar schlechten Stern stand. Wie die Konzertfahrt des Privaten Gymnasiums der Abtei im April ins Dreiländereck führte (die WZ berichtete), ist auch das Orgeltriduum als Zeichen des kulturellen und freundschaftlichen Austausches mit unseren östlichen Nachbarländern anzusehen. Drei Konzerte, drei Organisten, drei Länder – vereint an einer Orgel und in einem Ziel: dem friedlichen Miteinander und Nahebringen ihrer Kunst. (Katja Grimm)
Nächstes Konzert: Am Sonntag, 2. Oktober, konzertiert ab 17 Uhr Philipp Linden aus Hamburg an der Rieger-Orgel der Abteikirche mit Werken von Bach, Sweelinck, Franck, Dupré u. a. Infos bei Musikkreis: Tel. 02662/6722.


Lokales: Hachenburg & Umgebung
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