Werbung

Nachricht vom 14.01.2024    

Mahnfeuer: Demonstration der Bauern geht weiter

Von Wolfgang Tischler

Rund 450 Bürger und 200 Traktoren waren zu dem angekündigten Mahnfeuer am Samstagabend, dem 14. Januar auf dem großen Parkplatz am Dierdorfer Hallenbad erschienen. Stadtbürgermeister Thomas Vis begrüßte die Teilnehmer. Kreisvorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Ulrich Schreiber und Landwirt Dominik Ehrenstein sprachen zur Situation der Bauern.

Fotos: privat

Dierdorf. Landwirte aus dem gesamten Westerwald waren nach Dierdorf gekommen, um an dem Mahnfeuer teilzunehmen. Ulrich Schreiber fand es bemerkenswert, dass bei dem letzten Mahnfeuer nur Landwirte anwesend waren, doch am Samstag hatten sich viele Menschen aus der Bevölkerung angeschlossen. Laut Schreiber stehen 70 Prozent der Bevölkerung hinter den Landwirten.

Bemängelt wurde, dass die Situation in der Landwirtschaft seit Generationen nur eine Richtung kennt, nämlich bergab. Neuster Tiefpunkt sind die aktuellen Beschlüsse der Bundesregierung, die bislang nur bedingt zurückgenommen wurden. Man kann die Misere der Landwirtschaft kurz zusammenfassen: Steigende Anforderungen bei stagnierenden Erzeugerpreisen und Abbau von finanziellen Stützen, hieß es am Samstagabend.

Ehrenstein machte dies an einigen Zahlen deutlich. Die Deutschen geben derzeit nur rund zehn Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel aus, 1970 waren es noch 48 Prozent. Diesen Wohlstand haben die Bauern erbracht, denn seit Jahrzehnten stagnierenden Preisen liefern sie durch Kostenoptimierung und Verzicht auf Lebensqualität günstige Rohstoffe für Lebensmittel. Hinzu kommt die Problematik, dass 85Prozent der Erzeugnisse von 260.000 Betrieben durch vier Handelsunternehmen verkauft werden. 1970 haben Landwirte von jedem Euro, den der Verbraucher ausgegeben hat, 48 Cent bekommen. Heute sind es 22 Cent! Also 78 Cent von jedem Euro bleiben zwischen Landwirt und Theke hängen. Am Meisten beim Handel.

„Wir Landwirte sind zurzeit von Subventionen abhängig, weil der Erzeugerpreis, also das, was wir für Produkte wie Milch, Fleisch und Getreide bekommen, im langjährigen Mittel auf einem konstanten niedrigen Niveau liegt. Die Subventionen für die Landwirtschaft kosten den Verbraucher in Deutschland neun Cent pro Kopf und Tag. Einen Betrag, den sie durch verbilligte Lebensmittel um ein Vielfaches wieder bekommen“, konstatierte Ehrenstein.



Landwirt Ehrenstein trat Berichten entgegen, nach denen die Landwirte gut verdienen. „Wir hatten zuletzt ein gutes Jahr, dies ist richtig, aber davor zehn miserable Jahre. Wenn wir gut verdienen würden, dann hätten in den letzten zwölf Jahren nicht 13,5Prozent von uns aufgehört. In dieser Zeit starben jeden Tag knapp 9,5 Betriebe. Bauernkinder übernehmen die Höfe nicht, weil sie in anderen Branchen einfacher Geld verdienen können und sehen, dass ihre Eltern die Knochen kaputt haben. Denn das Landwirte 70- oder 80-Stunden-Wochen haben, wird nicht berichtet. Mit dem Höfesterben im ländlichen Raum gehen auch Identität und Werte der Dörfer verloren. Werte, für die wir Landwirte stehen: Zu helfen, wenn die Not groß ist.“

Was den Landwirten auch Sorge bereitet:
- die Infrastruktur zerfällt,
- das Wirtschaftswachstum liegt hinter immer mehr Ländern zurück,
- Betriebe wandern ab, Gründe sind Energiekosten, Bürokratie, Steuern, Fachkräftemangel,
- außerdem waren die Schulleistungen noch nie so schlecht wie derzeit,
- der Staat verteilt zu viel Geld mit der Gießkanne, statt sinnvoller Investitionen.

Abschließend sagte Dominik Ehrenstein: „Die ökologischste Maßnahme in unserem Bereich, wäre der Erhalt der deutschen Landwirtschaft. Damit auch die größtmögliche Unabhängigkeit von importierten Lebensmitteln, aus Ländern, deren Produktionsbedingungen wir nicht durchleuchten können.“ (woti)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
     

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Aktualisiert: Kienle tot – Händler aus Mülheim-Kärlich deckte Skandal auf

Die aktuelle Episode des Podcasts „Verbrechen von nebenan“ rückt einen der spektakulärsten Oldtimer-Skandale ...

Neues Wohnprojekt in Montabaur: Barrierefreie Wohnungen entstehen

In der Hospitalstraße in Montabaur wird ein neues Bauprojekt realisiert, das dringend benötigten Wohnraum ...

Erneut Weltkriegsbombe an der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz entdeckt

Bei Bauarbeiten an der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz wurde erneut eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ...

Niederelbert: Baugebiet "Im Herberg II" erfolgreich erschlossen

Die Erschließung des Neubaugebiets "Im Herberg II" in Niederelbert ist abgeschlossen. Auf 45 neuen Bauplätzen ...

Tafel Koblenz: Wefelscheid lobt Engagement und schlägt Integrationsprojekt vor

Bei einem Besuch der Tafel Koblenz informierte sich der Landtagsabgeordnete Stephan Wefelscheid über ...

Themenvorschläge, Hinweise, Wünsche: Was möchten Sie bei den Kurieren lesen?

In unserer Region - Ihrer Heimat! - passieren oft Dinge, von denen wir als Redaktion nicht zwangsläufig ...

Weitere Artikel


AKTUALISIERT: Sattelzug durchschlägt auf A48 bei Weitersburg die Mittelschutzplanke

Auf der A48 bei Weitersburg hat sich am frühen Montagmorgen (15. Januar) ein Verkehrsunfall ereignet, ...

"Ostern früher" im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg

Vom 14. Februar bis 28. März können Kindergruppen im Landschaftsmuseum Westerwald auf Entdeckungsreise ...

"Wenn Overbeck kommt…": Lesung und Schauspiel mit Roland Jankowsky in Montabaur

Der TV-Darsteller Roland Jankowsky kommt am 23. Januar mit schräg-kriminellen Shortstories in den Kulturkeller ...

Unfallflucht in Rückeroth: Dunkler Pkw beschädigt Carport - Polizei sucht Zeugen

In der kleinen Gemeinde Rückeroth kam es am 13. Januar zu einem Verkehrsunfall, bei dem sich der Verursacher ...

Nächtliche Verkehrsunfallflucht in Welschneudorf - Polizei sucht Zeugen

In der Nacht vom 13. auf den 14. Januar kam es in Welschneudorf zu einem nächtlichen Verkehrsunfall mit ...

Im Malberger Karneval übernimmt der Festwirt das Zepter

Seit vielen Jahren bewirten Thomas und Sabine bereits die Malberger Narren. Jetzt regieren sie diese ...

Werbung