Werbung

Pressemitteilung vom 16.01.2024    

Klage auf Schadenersatz eines Anlegers gegen die depotführende Bank

Haftet die depotführende Bank für Verluste eines Anlegers durch Wertpapiertransaktionen mit Aktien der Wirecard AG? Diese Frage hatte die 3. Zivilkammer des Landgerichts Koblenz zu beantworten. Das Urteil ist gefallen, aber noch nicht rechtskräftig.

Symbolfoto

Koblenz. Sachverhalt: Der Kläger unterhielt bei der Beklagten ein Wertpapierdepot. Im Rahmen dieses Depots hielt er Aktien der Wirecard AG. Zuletzt kaufte er am 30. April 2020 312 weitere Aktien der Wirecard AG zu einem Kurs von 95 Euro. Er hielt sodann insgesamt 1.232 Stück mit einem damaligen Kurswert von insgesamt 117.040 Euro. Am 18. September 2020 verkaufte der Kläger seinen gesamten Bestand an Wirecard-Aktien Stück zum Kurs von 0,83 Euro, sodass er einen Erlös in Höhe von 1.022,31 Euro erzielte.

Der Kläger bringt vor, dass die Beklagte weiterhin Kaufempfehlungen für die Wirecard-Aktie ausgesprochen habe, obwohl sie selbst im Mai intern beschlossen habe, ihre Geschäftsverbindungen zu der Wirecard AG zu beenden.

Zudem ist der Kläger der Ansicht, dass es die Beklagte durch ihren Vorstand pflichtwidrig unterlassen habe, Informationen, welche zu einem abrupten Ende der Geschäftsbeziehungen zwischen der Beklagten und der Wirecard AG geführt haben, an ihre Depotkunden weiterzugeben. Die Beklagte sei rechtlich verpflichtet gewesen, eine entsprechende Ad-hoc-Mitteilung nach Art. 17 Abs. 1 MAR, § 26 WpHG zu veröffentlichen.

Der Kläger ist daher der Meinung, dass die Beklagte den ihm insoweit hinsichtlich der Kursverluste der Wirecard AG entstandenen Schaden zu ersetzen haben. Ein solcher Anspruch folge dabei sowohl aus einer (Neben)-Pflichtverletzung zum Depotvertrag sowie direkt aus §§ 97, 98 WpHG. Der Kläger beziffert dabei den ihm entstandenen Schaden auf 165.099,69 Euro, wobei er hiervon im Wege der Teilklage lediglich einen Betrag in Höhe von 60.000 Euro geltend macht.

Die Entscheidung:
Die 3. Zivilkammer des Landgerichts Koblenz hat die Klage abgewiesen. Es bestehe kein Anspruch gem. §§ 280, 241 BGB in Verbindung mit dem zwischen den Parteien bestehenden Depotvertrag. Insbesondere habe der Depotvertrag keine umfassende fortdauernde Vermögenssorge o-der Beratungspflicht über tatsächliche Begebenheiten auf dem Kapitalmarkt zum Gegenstand. Der Kunde bleibe für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.



Zudem sei durch den Kläger nicht schlüssig vorgetragen worden, welche Informationen die Beklagte ihm vorenthalten haben soll.

Soweit der Kläger ein abruptes Ende der Geschäftsbeziehung der Beklagten zur Wirecard AG vorgetragen hat, führt die Kammer aus, dass es der Beklagten gemäß § 47 Abs. 1 Nr. 1 GWG untersagt gewesen sei, den Vertragspartner, den Auftraggeber der Transaktion oder sonstige Dritte von einer beabsichtigten oder erstatteten Meldung an die Financial Intelligence Unit nach § 43 Absatz 1 GWG in Kenntnis zu setzen.

Es ergebe sich auch kein Anspruch aus §§ 97, 98 WpHG, weil deren Anwendungsbereich in Bezug auf die Beklagte nicht eröffnet sei.

Nach § 97 WpHG sei ein Emittent, der für seine Finanzinstrumente die Zulassung zum Handel an einem inländischen Handelsplatz genehmigt oder an einem inländischen regulierten Markt oder multilateralen Handelssystem beantragt hat, einem Dritten zum Ersatz desjenigen Schadens verpflichtet, der dem Dritten dadurch entsteht, dass der Emittent es unterlässt unverzüglich eine Insiderinformation, die ihn unmittelbar betrifft, nach Artikel 17 der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 zu veröffentlichen. § 98 WpHG wiederum normiere vergleichbare Pflichten, falls es sich um unwahre Informationen handelt.

Vorliegend habe der Kläger jedoch kein Finanzinstrument der Beklagten, sondern Aktien der Wirecard AG erworben. Soweit in der Literatur teilweise eine allgemeine gesetzliche Vertrauenshaftung für das Inverkehrbringen fehlerhafter Kapitalmarktinformationen angenommen werde, folge die Kammern einem solchen Ansatz nicht.

Aus den gleichen rechtlichen Gesichtspunkten scheitere daher auch ein Anspruch des Klägers gegen die Beklagte aus § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 26 WpHG oder Art. 17 MAR. (PM)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Wirtschaft


Mobile Optikerin macht Hausbesuche - Service und Flexibilität für Kunden

Für Menschen, die nicht (mehr) so mobil sind, kann es eine Herausforderung sein, den Alltag mit all seinen ...

KONEKT Westerwald 2025: Jobmesse am 10. April in Rennerod

ANZEIGE | Wie finden Jobsuchende und Unternehmen im Westerwald zueinander? Die KONEKT Netzwerkmesse am ...

Ximaj & W&S Motorsport: Sieg bei NLS 2025 und starke Partnerschaft

ANZEIGE | Wie führt Technologie aus dem Westerwald zu Rennsiegen auf der Nordschleife? Die Kooperation ...

"Life-Balance-Day": Gesundheits- und Wellnessmesse in Kleinmaischeid

Die vielen Facetten der Begriffe Gesundheit und Wellness präsentierte der Gewerbeverein "VG-Aktiv Dierdorf" ...

Sparkasse Westerwald-Sieg fördert Schulen und Vereine mit fast 50.000 Euro

Das war knapp, um Haaresbreite hat die Sparkasse Westerwald-Sieg (SKWWS) die Schallmauer von 50.000 Euro ...

Unternehmer mit Migrationshintergrund stärken die Wirtschaft im Westerwald

Der SPD-Ortsverein Ahrbach-Stelzenbach widmet sich den Beiträgen von Unternehmern mit Migrationshintergrund ...

Weitere Artikel


Löschgruppe aufgelöst - Die Freiwillige Feuerwehr Niedererbach ist Geschichte

"Niemals geht man so ganz - irgendwas von mir bleibt hier." Die Zeilen aus Trude Herrs Lied bringen die ...

Westerwälder AfD-Verbände laden zum Neujahrsempfang in Puderbach

Die Westerwälder AfD-Verbände in den Landkreisen Neuwied, Altenkirchen, Westerwald, Rhein-Lahn und Mayen-Koblenz ...

Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz fordert Elementarversicherungsschutz für alle

Dauerregen hat vielerorts in Deutschland Flüsse und Bäche über die Ufer treten lassen. Aufgrund des Klimawandels ...

Energie sparen: Verbraucherzentrale bietet Beratungsgespräche im Westerwaldkreis an

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärt, wo die Einsparpotentiale im Haushalt schlummern und ...

HwK Koblenz: Ehrennadeln an wertvolle Stützen des Handwerks verliehen

Es ist jedes Jahr aufs Neue ein besonderer Moment, wenn die Handwerkskammer (HwK) Koblenz ihre Ehrennadeln ...

Neuer Zertifikatslehrgang der IHK-Akademie fördert nachhaltiges Unternehmensmanagement

Die IHK-Akademie Koblenz stellt einen innovativen Lehrgang vor, der Führungskräfte und Entscheidungsträger ...

Werbung