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Nachricht vom 15.02.2012    

Risiko Altersarmut birgt sozialen Sprengstoff

Steigende Altersarmut gibt es auch im Westerwaldkreis, und sie wird die Kommunen vor große Porbleme stellen. In einer Informationsveranstaltung mit Diskussion in Selters wurde deutlich: Minijobs, niedrige Mindestlöhne werden die Zahl der Menschen, die von ihrer Rente nicht mehr leben können, steigen lassen.

Foto: Forum für Soziale Gerechtigkeit

Selters/Westerwaldkreis. Altersarmut gab es im Westerwald schon immer, durch falsche politische Weichenstellungen erhält sie aber in den kommenden Jahren eine neue Dimension. Zunehmend werden Rentner mit ihren Altersbezügen nicht mehr auskommen und auch die Kommunen dadurch erheblich belastet. In dieser Einschätzung stimmten das Forum Soziale Gerechtigkeit, der DGB-Region Koblenz und das Evangelische Dekanat Selters als Veranstalter eines Informationsabends in Selters überein.

Stadtbürgermeister Rolf Jung begrüßte dazu die Teilnehmenden als Hausherr im Selterser Stadthaus. "Möge dieses Haus immer so gut genutzt werden wie heute Abend", so der Stadtchef mit Blick auf die voll besetzten Stühle im Saal. Für das Evangelische Dekanat Selters wies Dekan Wolfgang Weik auf die derzeitige Zeit des Übergangs hin, in der das Thema Armut immer mehr ins öffentliche Bewusstsein rücke.

Auf die Ursachen zunehmender Altersarmut ging die Vorsitzende der DGB-Region Koblenz, Gabi Weber, in einem ausführlichen Vortrag ein. Eine Mitschuld wies sie zunehmender Teilzeitarbeit, unterbrochenen Erwerbsbiografien und fehlenden bzw. zu niedrigen Mindestlöhnen zu. „Ein großes Problem in diesem Zusammenhang“, so Weber, „sind die vielen Minijobs, die gänzlich abgeschafft werden müssen“.

Derzeit noch überschaubar seien im Westerwaldkreis die 659 Grundsicherung im Alter beziehenden Menschen sowie 735 Erwerbsminderungsrentner. Als unsinnig und im Hinblick auf die steigende Armutsgefährdung zu kurz gedacht bezeichnete die Referentin die geplante Absenkung des Rentenversicherungsbeitrages auf 19,1 Prozent. „Das ist ein Kniefall vor den Arbeitgebern“ meinte die DGB-Chefin.

An der kontroversen Diskussion beteiligten sich zahlreiche teilehmende Gäste. Eine Bauunternehmerin schimpfte über im Vergleich zu ihrer Branche unverschämt niedrige Mindestlöhne mit denen man nur eines erreiche: mehr Altersarmut. Über zahlreiche Beispiele von verarmten älteren Menschen im Westerwaldkreis berichtete der VdK-Kreisvorsitzende Walter Frohneberg. „Wenn eine ältere Dame zu uns kommt und die lebensnotwendigen Medikamente nicht bezahlen kann, ist das nur einer von vielen Fällen mit denen wir ständig konfrontiert werden“, so Frohneberg.



Einen eindringlichen Appell an Arbeitsagentur und Jobcenter im Westerwald richtete Jürgen Nestler von der Perspektive gGmbH mit Sitz in Andernach. Auf dem Arbeitsmarkt dürften die Integrationsangebote für die Schwächsten nicht weiter reduziert werden, da sonst fast immer Altersarmut die logische Folge sei. Für Frauen lohne sich wegen der hohen Besteuerung oft eine Arbeit kaum, stellte MdL Dr. Tanja Machalet fest. Thema war auch die verschämte Altersarmut im Kreis. Eine Teilnehmerin meinte dazu: Wenn alle die einen Anspruch haben auch Grundsicherung im Alter beantragen, würden sich die Zahlen schnell verdoppeln.

Am Schluss der Veranstaltung dankte der Sprecher des Forums Soziale Gerechtigkeit, Uli Schmidt, allen Beteiligen für einen sehr informativen Abend. Er kritisierte, dass Reiche immer weniger zum Gemeinwesen beitragen, während die Menschen der unteren Einkommensschichten mit zunehmendem Alter immer mehr verarmen. „Diese Tendenz muss umgekehrt werden, dazu müssen wir auch im Westerwald beitragen“, so Schmidt. Er lud zur nächsten Veranstaltung gemeinsam mit der Agentur für Arbeit am 7. März in Montabaur ein. Dann wird der bekannte Wissenschaftler Dr. Hilmar Schneider sich mit dem Thema beschäftigen „Burn-out: die Entstehung einer Geißel der modernen Arbeitswelt“.


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