Comedy zum Schlapplachen: Kai Kramosta eroberte den Kulturkeller in Montabaur
Von Wolfgang Rabsch
Passend zur fünften Jahreszeit präsentierte "Kultur im Keller" im historischen Gewölbe in Montabaur Kai Kramosta, den Comedian aus der Eifel, der als Handwerker Peters, in der Kurzform HP, mit seinem Programm regelmäßig das Zwerchfell der Besucher strapaziert.
Montabaur. Jutta Linden-Quirmbach von "Kultur im Keller", die mit ihrem Team die Veranstaltungen im historischen Gewölbe am Dienstagabend (25. Februar) organisiert, durfte sich bei ihrer Begrüßung über eine ausverkaufte Location freuen und stimmte die Besucher auf einen unterhaltsamen Abend ein. Kai Kramosta ist längst fester Bestandteil der deutschen Comedyszene und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden. Gleich zu Beginn berichtete der Comedian, dass er aus Nickenich in der Eifel stammt. Dort bliebe die Einwohnerzahl seit Jahren konstant, denn immer, wenn ein Baby geboren wurde, machte sich der Erzeuger aus dem Staub. Sein Thema des Abends war sein Beruf als Handwerker, der skurrile Geschichten bei seiner Tätigkeit schilderte, die den Besuchern ein ums andere Mal, Lachtränen in ihren Augen trieb. Hanebüchene Beschreibungen, die sich auf den Baustellen ereigneten, verbunden mit Lebensweisheiten, die man kaum für Ernst nehmen konnte. Kramosta glorifizierte seinen Beruf als Handwerker in schrillen Tönen, als er allen Ernstes behauptete, Handwerker würden keinen Honig lutschen, sondern die Bienen und Tabasco als Augentropfen nehmen.
Lachen ohne Ende
HP fand auch eine nachvollziehbare Erklärung, warum 2024 wieder ein Geburtenrückgang in Deutschland festgestellt wurde: Es würden kaum noch Handwerker ins Haus kommen, weil 240.000 Handwerker fehlen würden. Verzweifelt versucht HP junge Leute fürs Handwerk zu begeistern, doch die meisten wollen nur studieren. In seinen Augen ist studieren wie arbeitslos sein, mit dem Unterschied, dass die Eltern stolz darauf sind. Mit der Generation Z konnte er sich auch nicht anfreunden, obwohl es bei denen auch viele tolle Menschen geben würde. Mit der Pünktlichkeit hätten sie es nicht so genau, sie kämen meistens zwischen 8 und 16 Uhr zur Arbeit. Viele würden auch an einer neuen Krankheit leiden, der "multiplen Mimose".
Als HP selbst Lehrling war und er Durchfall hatte, gab ihm sein Vater Soßenbinder und schickte ihn zur Arbeit. Viele junge Menschen hätten sich in seiner Firma beworben, weil er ein Schild im Schaufenster der Firma angebracht hatte, auf dem zu lesen war: Arbeiter für Montage gesucht. Die dachten, bei uns gäbe es die Vier-Tage-Woche, weil nur montags geschafft würde. Ein Lehrling hätte ihn vor kurzem nach einem Dreier- und Fünfer-Bohrer gefragt. "Wofür brauchst du die?", fragte HP, worauf der Lehrling antwortete "Ich muss ein Achter-Loch bohren." Einer, der bei ihm als Lehrling anfangen wollte, fragte ihn, was er während der Ausbildung verdienen würde. Als HP sagte, zunächst 1.000 Euro und später 1.200 Euro, antwortete der junge Mann "Gut, dann fange ich später an."
Mit Gendern und der Generation Z hatte HP einige Probleme
Mit dem Gendern hatte es HP auch nicht so sehr: Als er eine Stellenanzeige sah: Verputzer*innen (mit Gendersternchen) dachte er, verputzen die nicht auch außen. Es wäre auch ein großer Unterschied, ob man sagt, er fiel von einer Leiter, oder von einer Leiterin.
Ein Kumpel von HP hätte ihm unlängst gesagt, es gäbe jetzt Häuser für 1.000 Euro. Natürlich war HP interessiert und fragte, wo man die bekommen könne, worauf der Kumpel antwortete: "Bei Dixie".
Mit veganem Essen hatte HP Probleme und so stellte er sich die Frage. "Wenn ich im Dönerladen sehe, wie der Döner vom Spieß geschnitten wird und mir dabei das Wasser im Mund zusammenläuft, frage ich mich, ob das auch einem Veganer passiert, wenn er sieht, dass jemand eine Hecke schneidet."
Mit einer Freundin sei er bei sternenklarer Nacht am Laacher See spazieren gegangen, als eine Sternschnuppe vom Himmel fiel. HP sagte zu ihr "Du darfst dir jetzt etwas wünschen", worauf sie antwortete "Ich möchte dich gerne heiraten". Reaktionsschnell fand er eine gute Ausrede "Ach, es war nur ein Flugzeug".
So, oder so ähnlich, kalauerte sich Kai Kramosta zwei Stunden durch das Programm. Wenn behauptet wird, das Publikum hielt sich den Bauch vor Lachen, ist das nicht übertrieben. Zum Schluss gab HP den Kernsatz eines jeden Handwerkers zum Besten: "Guter Pfusch ist noch lange keine schlechte Arbeit".
Glückliches Publikum, glücklicher HP
Ein Komiker, der sich selbst nicht wichtig nahm, einfache Dinge in verdrehte Worthülsen beschrieb und dabei den Nerv des Publikums traf, wurde am Ende des Auftritts mit Standing Ovation und langanhaltendem Beifall gefeiert. Im Gespräch mit einigen Besuchern konnte übereinstimmend festgestellt werden, dass die Gäste froh und glücklich waren, in anstrengenden Zeiten, völlig losgelöst, sinnfreien Klamauk genossen zu haben.
Ganz zum Schluss, sozusagen als Zugabe, ein Ehegespräch von HP, das viele Lacher erzeugt: Seine Frau Lisbeth fragt HP "Schatz, rate mal, was ich jetzt gebrauchen könnte. Es fängt mit S an und hört mit X auf". HP antwortet auf Eifeler Platt "Wat wellst dau denn med ner Steinflex?" (Wolfgang Rabsch)
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