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Nachricht vom 28.08.2014    

Geschwister aus Maxsain holten WM-Silber bei Rallye-Piloten

„Schnitzeljagd" am polnischen Himmel: Robert Deppe und Carla Moses sind Vize-Weltmeister. Höhenflüge ohne GPS. Geschwister überfliegen zwischenzeitlich den flugbegeisterten Vater.

Erfolgreicher Dreier: Robert Deppe und Carla Moses vor der guten alten „Uniform-Zulu“. Mit der vereinseigenen Diesel-Cessna unter Hintern haben die beiden in Polen WM-Silber eingeflogen. Fotos: LSG

Maxsain - Das müssen die Gene vom Papa sein. Schreinermeister Oskar Deppe aus Maxsain kennt sich nämlich am Himmel mindestens ebenso gut aus wie in seiner Werkstatt. Und die Liebe zur Fliegerei wurde auch seinen Kindern in die Wiege gelegt. Die sind inzwischen längst erwachsen und auf dem besten Wege, dem alten Herrn zu zeigen, wo aerodynamisch der Hammer hängt. Robert Deppe (30) und seine Schwester Carla Moses (27) gehören zu den besten Piloten der Welt. Das haben die beiden aufstrebenden Luftikusse inzwischen auch wieder schriftlich. Noch anschaulicher belegt das ein kleines kreisrundes Stückchen Edelmetall. Und dabei handelt es sich um Silber, um WM-Silber.

Bei den Weltmeisterschaften der Rallye-Piloten im Polnischen Torun sind die beiden Westerwälder in der vergangenen Woche aufs Treppchen geklettert. Der zweite WM-Platz ist der bislang größte Erfolg für die ambitionierten Motor-Aeronauten, die für die Luftsportgruppe Breitscheid-Haiger aus dem benachbarten Lahn-Dill-Kreis an den Start gegangen waren. Für beide war es in dieser Konstellation die erste Teilnahme an einem solchen World-Championat. Und ihre Freude über den Vize-Weltmeister-Titel wird auch durch die Tatsache nicht geschmälert, dass sie sich diesen mit ihren Kollegen Thomas und Alexandra Kirchner aus Berlin-Brandenburg teilen. Letztere, Vater und Tochter, sowie Bruder und Schwester waren in der Advanced-(Fortgeschrittenen-)Klasse gestartet. Aus dem zweiten und sechsten Platz in der Einzelwertung errechnete sich dann für die deutschen Teilnehmer der zweite Rang in der Mannschaftsbenotung. Das ist auch insofern bemerkenswert, da es seit vielen Jahren das erste Mal war, dass sich deutsche Besatzungen an diesem wiederum von den Osteuropäern dominierten „World Rally Flying FAI Championship“ beteiligten.

Bei den Deutschen Navigationsflug-Meisterschaften eine Woche zuvor in Neubrandenburg hatten die beiden mit ihrem „Diesel-Bomber“, der vereinseigenen Cessna 172, schon einmal nachhaltig geübt und den dritten Platz eingeflogen. Deutsche Meister wurden dabei ihre LSG-Clubkameraden Astrid und Markus Ciesielski, während ihr alter Herr zusammen mit seinem „Co“ auf Rang 11 landete.

Wettbewerbe nach Rallye- beziehungsweise Navigationsflug-Kriterien folgen im Prinzip den gleichen Bedingungen und Regeln, sind also, vereinfacht ausgedrückt, letztlich nur zwei verschiedene Begriffe für ein und dieselbe Sache. Die Besatzungen müssen (unter Zeitdruck) und basierend auf für Außenstehende krytpisch erscheinende Informations-Happen komplizierte Kursberechnungen, die bis zu 14 verschiedene Wendepunkte enthalten, anstellen. Die Aufgaben sind in einem versiegelten Umschlag niedergeschrieben, die die Crews kurz vor dem Start ausgehändigt bekommen. Sie enthalten eine Karte mit diversen Ordern, die es unterwegs abzuarbeiten gilt. Die Flugroute und Wendepunkte müssen die Teilnehmer anhand spärlicher Informationen selbst ausknobeln und zusätzlich unterwegs bestimmte Bilder und Geländemarken wie Gebüschgruppen, Kreuzungen oder Waldränder, identifizieren. Das allen in einem sekundengenau vorgegeben Zeitrahmen. Unter- oder Überschreitungen werden mit Abzügen geahndet.



Geflogen wird unter Sichtflugbedingungen und ohne aufwändige technische Hilfsmittel. GPS beispielsweise ist verpönt. Stattdessen ist noch Hand- und Kopfarbeit gefragt. Den Abschluss bildet die finale Ziellandung, die möglichst auf dem Punkt in einem nur zwei Meter breiten Feld zu erfolgen hat. Das alles sieht jetzt nicht gerade spektakulär aus, wie es beispielsweise beim Kunstflug der Fall ist. Aber gerade diese Manöver fordern vom Piloten alles, höchste Konzentration und Know-How sowieso. Es sind Fertigkeiten, die jeder Flugscheininhaber in der täglichen Praxis beherrschen sollte. Und je mehr das können, umso sicherer ist es am Himmel.

Carla Moses, im Zivilberuf Projektmanagerin, und ihr großer Bruder, der sich seine Brötchen als Luftfahrtingenieur bei Airbus verdient, sind quasi auf dem Flugplatz aufgewachsen. Der Steuerknüppel eines Flugzeugs war ihnen seit Kindesbeinen an mehr vertraut als der Lenker eines Dreirades. Im jugendlichen Alter versuchte das Geschwisterpaar bereits, die Geheimnisse von Meteorologie, Navigation und Aerodynamik zu ergründen. Ihr fliegerisches Handwerk haben beide in Breitscheid erlernt, wo sie auch Mitglieder der dortigen Luftsportgruppe sind. Robert Deppe war sogar erst 13, als er seine Flugausbildung begann. Das ging nur mit einer behördlichen Ausnahmegenehmigung. Zunächst galt sein Hauptinteresse dem Segelflug, ehe er auf Motorkraft umstieg. Das war eine Art Initialzündung, die weiter gesteckte Ziele offenbarte und seinen Ehrgeiz weckte. Im vergangenen Jahr war er bei den vom Deutschen Aero-Club ausgerichteten 21. Weltmeisterschaften im Präzisionsfliegen als „Best Low Experienced Pilot“ in der Einsteigerklasse angetreten und hatte sich prompt die Bronzemedaille erkämpft. Den Titel gilt es im nächsten Jahr zu verteidigen. Bedingungen und Aufgabenstellungen ähneln denen der Rallye. Der Unterschied besteht darin, dass es sich dabei um eine Ein-Mann- oder Eine-Frau-Show handelt. Pilot/Pilotin ist auf sich alleine gestellt, hat keinen „Sidekick“, also keinen „Co“, der sie unterstützt und ihnen diverse Aufgaben abnimmt.



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