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Nachricht vom 06.03.2015    

Waldkindergarten: Klarheit darüber, dass es keine Klarheit gibt

Wichtige Informationen über die Einrichtung eines Waldkindergartens in Hachenburg fand gute Resonanz. Interessierte Eltern ließen sich aus berufenem Mund von der Vorsitzenden des Landesverbandes der Wald- und Naturkindergärten Rheinland-Pfalz, Silke Löhr, über die im Laufe der Jahre gesammelten Erfahrungen mit Einrichtungen dieser Art aufklären.

Der Aufklärungsabend für die Einrichtung eines Waldkindergartens in Hachenburg, der eine andere Form der Kinderbetreuung ist und von zunehmend vielen Eltern favorisiert wird, brachte wichtige Informationen. Jörina Deimling (v.l.), Steffi Ritter und Silke Löhr vom Landesverband für Waldkindergärten warteten mit einer Fülle von Positivbeispielen auf. Foto: Reinhard Panthel

Hachenburg. Etwa 60 Interessierte an dem Projekt „Waldkindergarten in Hachenburg“ waren in den großen Sitzungssaal der Verbandsgemeinde Hachenburg gekommen.

Seit Wochen wird das Thema „Einrichtung eines Waldkindergartens“ in Hachenburg selbst und den umliegenden Gemeinden innerhalb der Verbandsgemeinde heftig und teils konträr diskutiert. Am Montag, 9. März, muss der Hachenburger Stadtrat eine Entscheidung darüber treffen, ob und wie der benötigte Platz für zusätzlich 40 Kindergartenkinder geschaffen werden kann. Zur Diskussion stehen ein kompletter Zweigruppen-Neubau in städtischer Trägerschaft, ein Anbau an den bestehenden katholischen Kindergarten in der Leipziger Straße oder die Einrichtung eines Waldkindergartens in freier Natur.

Die beiden Initiatorinnen für die Einrichtung eines Waldkindergartens, Steffi Ritter und Jörina Deimling, hatten sich sehr viel Mühe gegeben, um alle offenen Fragen zu behandeln und Aufklärung mit professioneller Hilfe zu gewährleisten. Es wurde mit Worten und Bildern ein anschauliches Bild von den Vorzügen eines Waldkindergartens untermauert. Doch zum Schluss der Debatte wurde deutlich, dass unter dem Zeitdruck, vor der entscheidenden Stadtratssitzung am 9. März eine Klärung herbeizuführen, keine abschließende Lösung erkennbar sei. Nun hoffen die Befürworter für den Waldkindergarten, dass der Stadtrat Hachenburg die Wünsche der Eltern nicht unberücksichtigt lässt.

„Möglich ist alles, vorausgesetzt man will es“, meinen die Befürworter. Doch bohrende Fragen nach der Finanzierbarkeit eines solchen Vorhabens blieben offen. So lange im Kindergartenbedarfsplan des Westerwaldkreises eine solche Version der Kindergartenbetreuung nicht vorgesehen ist, bleibt eine Finanzierung offen. Weder die kirchlichen Träger noch die städtischen Gremien haben sich zu einer Kostenbeteiligung verbindlich geäußert. Kreis, Verbandsgemeinde und Stadt halten sich in dieser Frage ebenfalls noch bedeckt.

Da nutzten auch die vorbildlichen Erzählungen und Darstellungen in Form von Dias über das „naturnahe Leben im Wald“ nur wenig, um diese finanziellen Fragen zu klären. Lediglich die Kosten für die Schaffung eines Waldkindergartens wurden mit etwa 92.000 Euro beziffert. Strittige Fragen blieben die Erreichbarkeit des Waldkindergartens - zu Fuß oder mit dem Auto -, Rettungswageneinsatz, Gefährdung von herabfallenden Ästen (Sicherungspflicht des Waldeigentümers), Zulieferung des Essens, Wasser- und Stromversorgung. „Mit Solarstrom und mitgebrachtem Wasser lässt sich viel regeln“, war die Antwort. „Heizung für einen Trockenraum?“, auch das ist kein Problem. Da meldete sich Kurt Todt (Grüne) zu Wort: „All das, was sie hier vortragen an Vorzügen, leisten zu 90 Prozent die Regelkindergärten auch!“. Das gaben Steffi Ritter und Jörina Deimling auch zu, wiesen dann aber sehr deutlich auf die Andersartigkeit und die Vorzüge des Naturerlebens hin.



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Nach zwei Stunden gab es keine neuen Argumente mehr und die Versammlung wurde geschlossen mit dem Dank an die Veranstalter, die mit Beifall belohnt wurden. Aber damit war die Diskussion noch lange nicht beendet. Da wurde „draußen“ vor dem Eingang das diskutiert, was während der Versammlung ausgespart wurde. Die „Waldkindergartendiskussion im Freien“ hatte den Vorteil, auch einmal etwas von den Kosten zu hören, über die bisher keine Angaben gemacht wurden. Ein zusätzlicher neuer Zweigruppen-Kindergarten in städtischer Trägerschaft ist mit 680.000 Euro veranschlagt. Genau so teuer war ein Anbau an den katholischen Kindergarten. (Die Kostenbeteiligung der katholischen Kirche/Bistum Limburg blieb offen). Dann gab es eine neue Variante: ein Anbau für 380.000 Mark an den katholischen Kindergarten und eine Waldkindergartengruppe mit 15 Kindern soll dem evangelischen Kindergarten angegliedert werden.

Anzumerken ist noch, dass von den eingeladenen Bürgermeistern der Verbandsgemeinde und Stadt Hachenburg niemand zur Versammlung erschien. Nicht gesehen wurden auch Vertreter der entsprechenden Ausschüsse und kompetente Mitarbeiter des Landes- und Jugendamtes, obwohl sie alle herzlich willkommen geheißen wurden. Zum Schluss der Debatte war klar, dass es keine Klarheit gibt. (repa)


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