Werbung

Nachricht vom 14.04.2015    

„Luftkurort Unnau“ ist auf dem absteigenden Ast

Gibt es Schuldige an dem dramatischen Niedergang einer ehemals glanzvollen Fremdenverkehrsgemeinde? In der Groß-Gemeinde Unnau mit ihren drei Ortsteilen Stangenrod und Korb gibt es weder einen Arzt, noch eine Post und schon gar keine Gastwirtschaft mehr. Eine verkehrstechnisch wichtige Anbindung an die Nistertalstraße fehlt ebenfalls.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude an der Bundesbahnstation Unnau-Korb. Hier existierten zusätzlich ein Güterumschlagsplatz und eine florierende Bahnhofswirtschaft. Fotos: Reinhard Panthel.

Unnau. Veränderungen im ländlichen Bereich gehen nirgendwo spurlos an den ehemals „blühenden Landschaften“ vorüber. Die Zeichen der Zeit fordern ihren Tribut. Aber muss alles ohne „Ersatz“ vonstatten gehen? Die ehemalige Luftkurortgemeinde Unnau, in der sich teilweise mehr Erholungsgäste als Einwohner wohl und glücklich fühlten, hat mittlerweile keine Bedeutung mehr. Lediglich ein paar Schilderfabriken, ein Möbelhersteller und ein Elektrogroßhandel schaffen Arbeitsplätze. Zum Glück gibt es auch noch ein paar mittelständische Betriebe im Unnauer Industriegebiet in der Nähe des Bahnhofs Unnau-Korb, in denen so manchem Arbeitnehmer die Strapazen der Pendler in die Ballungszentren erspart werden.

Von den zahlreichen Schnapsbrennereien sind lediglich noch zwei übrig geblieben. Einige Beherbergungsbetriebe, mehrere Gasthäuser und drei Cafes sind im Laufe der Zeit geschlossen worden. Kein Arzt und seit wenigen Monaten auch keine Bankfiliale mehr in den drei Ortsteilen mit zusammen fast zweitausend Einwohnern. Keine Poststelle für den Versand von Lieferungen der zahlreichen ansässigen Schilderfabriken. Für die Verbesserung der Infrastruktur wäre auch eine Anbindung an die Nistertalstraße wichtig.

Nun muss sich die Gemeinde Unnau Fragen gefallen lassen: „Gibt es Schuldige an dem Niedergang der Groß-Gemeinde? Was wurde versäumt, was unterlassen?“ Nach der Stadt Bad Marienberg wurde in der Vergangenheit Unnau immer als „Vorzeige-Gemeinde“ genannt. In den 18 Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Bad Marienberg haben die Gemeinden Hof und Nistertal Unnau den Rang abgelaufen. Nistertal hat ein pulsierendes Gemeindeleben und mit dem Industriegebiet direkt an der Nistertalstraße auch Zukunftschancen.



In Unnau ist inzwischen der Bahnhof „Unnau-Korb“ für ganz kleines Geld verkauft worden. (Man munkelt: unter dreißigtausend Euro). Damit ist auch die Zufahrt zur Anbindung an das Industriegebiet Unnau nicht besser geworden. Allein diese Tatsache erschwert weitere Planungen in die Zukunft.

Der Unnauer Bahnhof, der seit der Entstehung für Streit zwischen Unnau und der damals selbständigen Gemeinde Korb gesorgt hat. Das jetzt unter Denkmalschutz gestellte Bahnhofsgebäude stand schon immer auf Unnauer Grund und Boden. Lediglich das Toilettenhaus war im Besitz der Gemeinde Korb, worauf sich in der Vergangenheit so manche Namensänderung der Haltestation der Bahn erklären ließ. Jetzt halten noch Züge auf der Bahnstrecke von Köln in Richtung Frankfurt und umgekehrt auf dem Bahnhof in Unnau-Korb.

„Es wird politisch nicht gelingen die Zeit zurück zu drehen, aber die derzeit Verantwortlichen müssen sich etwas einfallen lassen“. repa


Lokales: Bad Marienberg & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
   

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Das Raiffeisenmuseum in Hamm: Genossenschaftsidee zum Anfassen

Im kleinen Hamm an der Sieg steht das Geburtshaus des großen Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888), ...

Montabaur feiert erfolgreiche Premiere der Lachnacht

Die "1. Montabaurer Lachnacht" lockte am 2. April zahlreiche Besucher in die Stadthalle Haus Mons Tabor. ...

Generationenwechsel im Berufsbildungsausschuss der HwK Koblenz

Der Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer Koblenz hat sich neu formiert. Langjährige Mitglieder ...

Einführung von Pfarrer Michael Zopf in Rennerod: Ein neuer Abschnitt für die Gemeinde

Die Evangelische Kirchengemeinde Rennerod hat Pfarrer Michael Zopf in einem festlichen Gottesdienst offiziell ...

Abiturfeier am Mons-Tabor-Gymnasium: Ein magischer Abschied

Am 31. März verabschiedete das Mons-Tabor-Gymnasium 95 Abiturientinnen und Abiturienten. Die Feierlichkeiten ...

Schock auf dem Brüse-Hof: Schafe durch Wolfsriss in Selters getötet

Hannah Becker ist eine von vielen Hobbyzüchterinnen einer Schafsherde im Westerwald. Sie hatte die Debatte ...

Weitere Artikel


Anbindehaltung von Kälbern hat Bußgeld zur Folge

13 Kälber waren in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Westerwaldkreis kurz an der Wand angekettet. ...

Rafik Schami: Damaskus im Herzen

Der begnadete Erzähler Rafik Schami entführt seine Zuhörer nach Damaskus, der Stadt seiner Kindheit. ...

Anne von Canal liest „Der Grund“

Im Rahmen der 14. Westerwälder Literaturtage liest Anne von Canal aus ihrem Werk "Der Grund" am 24. ...

Kooperationsvereinbarung mit Landfrauenverband

Wirtschaftsministerin Lemke und der Verband LandFrauen Rheinland Pfalz haben eine Kooperationsvereinbarung ...

„Ich schenk dir eine Geschichte“

Am 23. April ist es wieder so weit: „Ich schenk dir eine Geschichte“, das Verschenkbuch zum Welttag des ...

Polizeidirektion Montabaur präsentiert Kriminalstatistik 2014

Die Polizeidirektion Montabaur, die für den Westerwaldkreis und den Rhein-Lahn-Kreis zuständig ist, stellte ...

Werbung