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Nachricht vom 30.08.2017    

Montabaur: Gemeinde wünscht sich Versöhnung

Nach den großen Herausforderungen der vergangenen Monate blickt die Kirchengemeinde Montabaur nun nach vorne und formuliert ihre Wünsche für die Zukunft. Der wohl wichtigste: Versöhnung. Ein erster Schritt dorthin: eine Gemeindeversammlung. In ihr stellte sich nicht nur der neu zusammengestellte Kirchenvorstand vor. Sie sollte auch ein Forum sein, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ein starkes Zeichen: Während des Segensliedes nehmen sich die Montabaurer spontan an die Hände. Fotos: Peter Bongard

Montabaur. Dieses Angebot haben die vielen Besucher im Pauluszentrum angenommen. Oft emotional, manchmal kritisch, aber immer fair.

Die Gemeinde hat in den vergangenen Monaten schwierige Zeiten durchstehen müssen: die Verabschiedung dreier Pfarrer, der Rücktritt von Teilen des Kirchenvorstands, all das geht an die Substanz. Nun also ein Neuanfang: Fünf Männer und Frauen sind in den Kirchenvorstand nachberufen worden. Damit besteht er wieder aus elf Personen und ist somit handlungs- und beschlussfähig. Doch was im ersten Moment nach einem rein formalen Akt klingt, ist mehr. Denn die Kirchenvorstandsmitglieder wissen, dass sie eine wichtige Aufgabe haben: Versöhnung möglich machen.

Im Pauluszentrum stellt sich jedes KV-Mitglied (drei waren verhindert) der Gemeinde vor, und so unterschiedlich die elf Typen auch sind: Zuversicht und Optimismus strahlen sie alle aus. „In dieser Gemeinde liegt eine große Kraft. Deshalb glaube ich, dass wir die entstandenen Risse kitten können“, sagt Peter Kaminski, der dem KV nach wie vor angehört – ebenso wie Sabine Neumann-Siry, für die ebenfalls ein guter Neuanfang zählt: „Im Gottvertrauen Neues aufbauen und hoffen, dass wir wieder miteinander reden können – das ist mein Wunsch.“

Marie-Louise Kalusa ist seit mehr als drei Jahrzehnten im Montabaurer Kirchenvorstand aktiv, und auch sie ist sich sicher, dass die Gemeinde mit Gottes Hilfe die Schwierigkeiten überwinden wird. „Denn er lässt uns nicht im Stich“, sagt sie während ihrer Vorstellung. Annedore Schäfer-Bösch ist unterdessen eine der „Neuen“ im KV. Für sie ist das ehrenamtliche Engagement in „ihrer“ Kirche selbstverständlich: „Ich habe Verantwortung gegenüber meiner Gemeinde und will mich einbringen, so gut es geht. Der Neuanfang muss von uns allen gewagt werden.“

Schließlich wandte sich auch der neue KV-Vorsitzende Thomas Lehnet an die zahlreichen Besucher. Zwar war er von 2015 bis Januar 2017 schon einmal Teil der Gemeindeleitung, nahm sich dann aber eine mehrmonatige Auszeit. „Die aktuelle Situation und die dadurch vor uns liegenden Herausforderungen haben meine Familie und mich bewogen, uns wieder mit aller Energie einzubringen“, sagt er und ist sich sicher, dass die vor der Gemeinde liegende Zeit der Vakanz auch Chancen birgt – „Chancen, um neue Potenziale bei uns allen zu entdecken.“



Einen neuen Pfarrer oder eine Pfarrerin wird es im kommenden halben Jahr indes wohl nicht geben. Die zweieinhalb Pfarrstellen sind ab dem 1. September vakant, und Dekan Wolfgang Weik rechnet damit, dass die ersten Bewerbungen frühestens im Februar 2018 eingehen. „Ab dem 1. September werden wir einen Vakanzverwalter einsetzen“, sagt Weik und kündigt an, dass die Konfirmandenarbeit in Zusammenarbeit mit dem Dekanat Selters organisiert wird.

Alle Fragen sind damit freilich noch nicht beantwortet. Viele der Besucher des Pauluszentrums haben Dinge auf dem Herzen, die während einer einzigen Gemeindeversammlung gar nicht geklärt werden können. Zum Beispiel diese Teilnehmerin, die an die ehemaligen KV-Mitglieder erinnert: „Ich denke an die, die nun nicht mehr in der Gemeinde sind. Ich wünsche mir, dass auch diese Menschen mit in den Prozess hineingenommen werden.“

Ein Neuanfang braucht eben Zeit – und funktioniert nicht, wenn Menschen übereinander statt miteinander reden, wie es ein Gemeindemitglied ausdrückt: „Wir müssen mit dieser Täter-Opfer-Geschichte aufhören. Die einzige Chance, die wir haben, ist aufeinander zuzugehen.“

Der Kirchenvorstand hat als Leitungsgremium der Gemeinde dabei natürlich eine besondere Verantwortung. Auch wenn er nicht alles im Alleingang in Ordnung bringen kann, wird er an seinen Bemühungen hin zu einer neuen Einheit gemessen, meint ein Besucher. „Mir ist egal, wie die Renovierung der Pauluskirche oder das Gemeindefest gelingen. Mir ist vor allem die Versöhnung wichtig.“ (bon)


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