Werbung

Nachricht vom 17.06.2018    

Lese- und Tourentipp: „Naturparadies Mittelrheintal“

Das Mittelrheintal hat mehr aufzuweisen als Loreley und Drosselgasse, Rheinromantik und zarte Aquarelle von William Turner. Das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz wurde 2002 zu Recht mit dem Titel UNESCO Welterbe gekrönt. Die Fernwanderwege rechts und links des wichtigen Schifffahrtweges erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Bruno Kremer und Thomas Merz beschreiben 21 ausgewählte Erlebnistouren zwischen Rüdesheim und Bonn.

Buchtitel. Foto: Verlag

Region. Merz und Kremer stellen die Landschaft vor allem aus naturkundlicher Sicht vor. Gelände, Flora und Fauna jedes Abschnitts stehen im Fokus. Vorausgeschickt werden informative Kapitel zum geographischen Grundlagenwissen: In „Landschaft und Naturraum“ erfährt man, dass das Mittelrheintal einen großräumigen Riss in der Erdkruste darstellt, dass das Tal in drei unterschiedliche Stücke gegliedert ist und dass das Rheinische Schiefergebirge die Rolle einer Wetterscheide einnimmt, die spezifische Klimadaten und Pflanzenleben bedingt.

Das zweite Kapitel „Der Mittelrhein – ein landschaftlicher Überblick“ befasst sich mit den Kleinlandschaften aus geographischer und geologischer Sicht: Von der Binger Talpforte, dem Eingang ins Mittelrheintal über das Neuwieder Becken bis zur Linz-Hönninger Talweitung und Buchtzipfeln in Höhenlage.

Das Kapitel „Ein wenig Mittelrhein-Hydrographie“ belehrt über Länge und Alter der Wasserführung sowie deren Zusammensetzung. Erstaunlich: Zeitweise führt der Rhein auch Donauwasser. Hochwasserstände in den Orten entlang des Flusses belegen deutlich die wechselnden Wasserstände.

Komplexe Zusammenhänge ergeben sich durch die Erdgeschichte des Mittelrheintals, wie das entsprechende Kapitel des Buches auf 21 Seiten ausführlich belegt. „Aus dem Werdegang des Rheintals“ startet im Tertiär vor etwa 20 Millionen Jahren, zeigt den Einfluss der Eiszeiten und die Ausformung des Plateaus auf. Die Geländegestalt nimmt Einfluss auf die Siedlungen, deutlich zu sehen an Rheinbrohl und Erpel (Talorte im Buchtwinkel), typische Nebentalsiedlungen sind etwa Braubach, Vallendar oder Linz.

Mit diesem Wissen ausgestattet, lassen sich die „NaTouren“ intensiv genießen. Zwei Beispiele: NaTour 1: „Bingen und die Nahemündung“ führt auf Goethes Spur zum Rochusberg mit seinem Aussichtsturm, der einen guten Rundblick erlaubt. Als besonderer Erlebnisinhalt ist die Pflanzenwelt mit vielen Extras geschildert, das besondere Artportrait gilt dem Diptam. „Der Inselrhein zu Füßen“ beschreibt die grandiose Aussicht auf den Rheingau und Rheinhessen bis zu den Hochhäusern Frankfurts und zur Binger Talpforte mit dem Mäuseturm. Das berühmt-berüchtigte Binger Loch, ein Rheinriff aus Taunusquarzit, wurde in preußischer Zeit durch Sprengung passierbar gemacht. Entgegen aller Wahrscheinlichkeit arbeitete sich die Nahe durch hartes Gestein und mündet so bei Bingen in den Rhein. Die Äbtissin und Naturkundlerin Hildegard von Bingen darf an diesem Ort nicht unerwähnt bleiben.



„Natour 6“ trägt den Titel „Ein kurzes Kapitel Burgenbiologie“ – Kleine Rundtour zur Festung Rheinfels bei St. Goar und schwärmt vom Biotop der Festungsruine mit Pionierorganismen wie Algen und Pilzen, Krusten und Blattflechten, Moosen, Farnen und verschiedenen Blütenpflanzen. Sie bieten einer reichhaltigen Tierwelt ein Zuhause: Schmetterlingen, Heuschrecken und Spinnen, Eidechsen, Vögeln und Fledermäusen. Auf kompaktem Raum sind zahlreiche Naturbeobachtungen möglich. Die alten Steine beherbergen bemerkenswerte Pflanzenarten: Mauer-Leinkraut, Schwarzstieliger Streifenfarn, Scharfer Mauerpfeffer, Quendel-Sandkraut, Dreifinger-Steinbrech und Mauer-Glaskraut. Ein kleiner Felsanschnitt bietet weitere botanische Besonderheiten und der Hansenweg „verschwindet in dichtem Wald mit Unterwuchs von Echter Nelkenwurz, Gundermann, Ruprechtskraut, Hecken-Kälberkropf, Silberblättriger Goldnessel, Efeu, Rainkohl, Hain-Rispengras sowie Spring-Schaumkraut. Unter den Gehölzen fällt hier auch die Berg-Johannisbeere auf. Ferner finden sich hier Weiße Hainsimse, Gewöhnlicher Tüpfelfarn, Wald-Habichtskraut und Wärmezeiger Wolliger Schneeball, Pfirsichblättrige Glockenblume, Schaumkresse, Stinkende Nieswurz und Salbei-Gamander.“ (S. 153) Das besondere Artportrait gilt der Steinweichsel (Prunus mahaleb), Seite 160. Das imposante Gesamtensemble der Burg und der Reuschepark sind eindrucksvoll beschrieben.

„NaTour 17: Die Goldene Meile zu Füßen“ empfiehlt auf 14 Seiten eine Wanderung über die Erpeler Ley. Sie ist „die einzige tertiärzeitliche Vulkanruine direkt an der Talflanke des Mittelrheins.“ (S. 306)

Fotografien, eine geologische Karte und Höhenlinien begleiten die Ausführungen anschaulich. Das Naturparadies Mittelrheintal liegt direkt vor der Haustür, Tagestouren sind einfach durchzuführen. Das handliche Taschenbuch aus dem Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim ist ein heißer Tipp für die bevorstehende Ferienzeit. ISBN 978-3-494-01705-1. htv


Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Kultur


"Over the Rainbow": Ein anspruchsvolles Konzert in Ransbach-Baumbach

In der Stadthalle von Ransbach-Baumbach erlebten die Zuschauer ein Konzert, das sie nicht so schnell ...

20. Monkey Jump Kneipenfestival Hachenburg: Party-Hochburg am 29. März

ANZEIGE | Am Samstag, den 29. März, verwandelt sich Hachenburg in eine Festival-Hochburg, wenn das 20. ...

Junge Künstlerin Kim Bender präsentiert ihre Werke in Dernbach

Im April haben Kunstliebhaber die Möglichkeit, die vielfältigen Werke der talentierten Malerin Kim Bender ...

Klezmers Techter bringen jiddische Musik nach Montabaur

Am 1. April erwartet die Besucher im Gewölbekeller von Montabaur ein besonderes musikalisches Erlebnis. ...

Jubiläumsfeier 20 Jahre Welterbe Limes in der Römerwelt Rheinbrohl

Seit zwei Jahrzehnten gehört der Obergermanisch-Raetische Limes zum UNESCO-Welterbe. Dieses Jubiläum ...

Frühjahrsprogramm der Hachenburger KulturZeit ausverkauft

Die Hachenburger KulturZeit erfreut sich großer Beliebtheit. Alle Veranstaltungen des Frühjahrsprogramms ...

Weitere Artikel


„Jedem sayn Tal“ feierte 25-jähriges Jubiläum

Wie doch die Zeit vergeht: Bereits zum 25. Mal wurde der beliebte Radwandertag „Jedem sayn Tal“ durchgeführt. ...

Jubiläum beim SSV Eichelhardt: Mit 90 Jahren bestens in Schuss

Von Freitag (15. Juni) bis Sonntag (17. Juni) stand Eichelhardt im Zeichen der Feierlichkeiten des örtlichen ...

Geführte Wanderung ans „Weltende“

Der Kultur- und Verkehrsverein Limbach (KuV) lädt zu einer geführten Wanderung ans „Weltende“ für Sonntag, ...

Welthit an Welthit: „Graceland“ bringt „Simon & Garfunkel“ nach Montabaur

Beim „Sound of Silence“ öffnete der Himmel seine Schleusen. Doch bis dahin gab es nichts, das die Stimmung ...

Wenn Rot-Schwarz-Kariert dominiert ...

„Brings“ zu Gast in Wallmerod: Die Sport- und Kulturhalle bebte. Mit einem musikalischen Schachzug hatten ...

Verbandsgemeindehaus Montabaur: Rat will Aufträge vergeben

Am 20. April waren die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs für den Neubau des Verbandsgemeindehauses ...

Werbung