Werbung

Nachricht vom 07.07.2018    

Praktischer Naturschutz durch extensive Beweidung: Die NABU-Zwischenbilanz

Viele für die biologische Vielfalt bedeutsame Flächen bedürfen zum Erhalt ihres naturschutzfachlichen Wertes einer regelmäßigen Pflege. So erhält und entwickelt der NABU mit seinen extensiven Weidelandschaften auf innovative Art und Weise wertvolle Lebensräume. In mittlerweile elf Projekten setzen die 13 NABU-Gruppen der NABU-Regionalstelle Rhein-Westerwald tierische Helfer ein. Das kleinste Projekt umfasst knapp einen Hektar, das größte wird auf einer Fläche von 235 Hektar durchgeführt. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende startete der NABU seine ersten Projekte im nördlichen Rheinland-Pfalz. Jetzt zog der Verband eine Zwischenbilanz.

Bereits kurz nach der Jahrtausendwende startete der NABU seine ersten Beweidungsprojekte im nördlichen Rheinland-Pfalz, so wie mit den Taurisrindern hier auf der Koblenzer Schmidtenhöhe. (Foto: NABU/Heinz Strunk)

Region. Sie nennen sich Moorschnucken, Mazedonische Zwergesel, Konikpferde, Burenziegen oder Taurusrinder – insgesamt zwölf verschiedene Weidetierarten grasen auf den Flächen des NABU in der Region Rhein-Westerwald. Und das aus gutem Grund: Viele für die biologische Vielfalt bedeutsame Flächen bedürfen zum Erhalt ihres naturschutzfachlichen Wertes einer regelmäßigen Pflege. So erhält und entwickelt der NABU mit seinen extensiven Weidelandschaften auf innovative Art und Weise wertvolle Lebensräume. In mittlerweile elf Projekten setzen die 13 NABU-Gruppen der NABU-Regionalstelle Rhein-Westerwald tierische Helfer ein. Das kleinste Projekt umfasst knapp einen Hektar, das größte wird auf einer Fläche von 235 Hektar durchgeführt. Bereits kurz nach der Jahrtausendwende startete der NABU seine ersten Projekte im nördlichen Rheinland-Pfalz - Zeit für eine Zwischenbilanz.

Praktischer Naturschutz
„Extensive Beweidung ist praktischer Naturschutz. Durch unsere Beweidungsprojekte konnten wir bereits auf vielen Hektar wertvolle Lebensräume erhalten und naturschutzfachlich aufwerten. Die alten, robusten und teilweise seltenen Haustierrassen gestalten die Landschaft im Sinne teils seltener und gefährdeter Arten, die auf freie Flächen und eine insgesamt strukturreiche Landschaft angewiesen sind“, erklärt Cosima Lindemann, Vorsitzende des NABU Rheinland-Pfalz. Die Weidetiere wählt der NABU gezielt, in Abhängigkeit von den Eigenschaften des jeweiligen Gebietes und konkreten Naturschutzzielen aus. Durch ihre Weidetätigkeit und den Verbiss an jungen Bäumen und Sträuchern schaffen die Tiere artenreiche Biotope, von denen eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren profitiert. „Auf unseren durch die Beweidung beruhigten Flächen können wir Arten beobachten, die in der Normallandschaft kaum noch einen Lebensraum finden. Hierzu gehören seltene Pflanzen wie Orchideen, diverse Insektenarten und gefährdete Amphibien wie die Gelbbauchunke und der Laubfrosch. Wir konnten feststellen, dass einige Arten seit Beginn der extensiven Beweidung in die Gebiete zurückgekehrt sind oder sich in mittlerweile stärkeren Individuenzahlen auf den Flächen aufhalten. Deutlich profitieren insektenfressende Vögel wie der Neuntöter von der für die Insektenvorkommen förderlichen Beweidung auf unseren Flächen. Allein im Beweidungsgebiet der Schmidtenhöhe konnten bisher 152 verschiedene Vogelarten festgestellt werden, weitaus mehr als noch zu Beginn des Projektes. Wir können also sagen, dass Naturschutzbeweidung funktioniert und in vielen Fällen eine ausgezeichnete Alternative zum Einsatz von Maschinen wie Balkenmähern darstellt“, so Cosima Lindemann weiter.

Projekte auch in den Kreisen Altenkirchen, Neuwied und Westerwald
Den Ansatz der Naturschutzbeweidung möchte der NABU in Rheinland-Pfalz auch in Zukunft weiter verfolgen, insbesondere auf den vereinseigenen Flächen, die geschützten Arten auch als Trittsteine und Vernetzungselemente in der Landschaft dienen sollen. Erst im September 2017 wurde die 235 Hektar große Beweidungsfläche auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Schmidtenhöhe in Koblenz zusammen mit weiteren 291 Hektar in Rheinland-Pfalz als Nationales Naturerbe vom Bund an die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe übergeben. Das Projekt auf der Schmidtenhöhe ist das größte Beweidungsprojekt des NABU in Rheinland-Pfalz. „Bei der Pflege der Flächen des Nationalen Naturerbes wird die Beweidung mit Sicherheit eine große Rolle spielen. Aber auch die anderen zehn kleineren Projekte in den Kreisen Altenkirchen, Westerwaldkreis, Neuwied und Mayen-Koblenz wollen wir weiterführen, um die Flächen weiter zu entwickeln, bis wir die flächenspezifischen Naturschutzziele erreicht haben. Es gibt auch einige neue, spannende Ansätze mit ersten Erfolgen, wie die Bekämpfung der invasiven Herkulesstaude durch den Einsatz von Moorschnucken bei Höchstenbach oder die Entwicklung eines artenreichen Trockenrasens auf einer ehemaligen Industriehalde bei Bendorf. Wir können also eine durchweg positive Zwischenbilanz ziehen“, sagt die Vorsitzende.



WW-Kurier Newsletter: So sind Sie immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Das Ehrenamt macht es möglich
Getragen werden die Beweidungsprojekte vom ehrenamtlichen Engagement in den NABU-Gruppen vor Ort, das jährlich mehrere Tausend Arbeitsstunden umfasst. Über die in den Projekten gemachten Erfahrungen tauschen sich die Ehrenamtlichen regelmäßig aus. „Ohne unsere NABU-Aktiven und ihren umfassenden ehrenamtlichen Einsatz auf den Projektflächen wären die Beweidungsprojekte in dieser Form undenkbar. Neben dieser Feststellung haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass Beweidungsprojekte, insbesondere in Verbindung mit unseren naturkundlichen Exkursionen, ein gutes Mittel sind, Interesse für den Naturschutz zu wecken. Als Mitmach-Verein, der praktischen Naturschutz vor Ort betreibt, wollen wir interessierten Personen auch die Möglichkeit bieten, mit anzupacken. Trotz Weidetätigkeit gibt es in unseren Projekten ausreichend Nach- und Zusatzarbeiten, die per Hand erledigt werden. Auch müssen täglich die Zäune kontrolliert und der Gesundheitszustand der Tiere überprüft werden. Über engagierte Helfer freuen sich unsere NABU-Gruppen daher sehr“, so Lindemann abschließend.

Die Beweidungsprojekte in den drei Westerwälder Landkreisen im Überblick:
• Westerwaldkreis: Marau bei Holler – Heckrinder (NABU-Gruppe Montabaur und Umgebung), Grünland bei Girkenroth – Schottische Hochlandrinder (NABU-Gruppe Guckheim), Orchideenwiese bei Höchstenbach – Moorschnucken (NABU-Gruppe Kroppacher Schweiz), Fläche Mündersbach – Heckrinder (NABU Agrar Umwelt GmbH), Fläche Herschbach – Heckrinder (NABU Agrar Umwelt GmbH)
• Kreis Neuwied: Bonefelder Heide – Grau Gehörnte Heidschnucken (NABU-Gruppe Rengsdorf), Streuobstwiesen – Pferde und Grau Gehörnte Heidschnucken (NABU-Gruppe Rengsdorf), Quellgebiet des Laubachs – Murnau-Werdenfelser-Rinder (NABU-Gruppe Rengsdorf)
• Kreis Altenkirchen: Ölferbachtal bei Altenkirchen – Schafherde mit Rhönschafen, Grau Gehörnten Heidschnucken, Bentheimer Landschafen, Coburger Fuchsschafen und deren Abkömmlingen (NABU-Gruppe Altenkirchen) (PM)


Feedback: Hinweise an die Redaktion

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Aktualisiert: Kienle tot – Händler aus Mülheim-Kärlich deckte Skandal auf

Die aktuelle Episode des Podcasts „Verbrechen von nebenan“ rückt einen der spektakulärsten Oldtimer-Skandale ...

Neues Wohnprojekt in Montabaur: Barrierefreie Wohnungen entstehen

In der Hospitalstraße in Montabaur wird ein neues Bauprojekt realisiert, das dringend benötigten Wohnraum ...

Erneut Weltkriegsbombe an der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz entdeckt

Bei Bauarbeiten an der Pfaffendorfer Brücke in Koblenz wurde erneut eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ...

Niederelbert: Baugebiet "Im Herberg II" erfolgreich erschlossen

Die Erschließung des Neubaugebiets "Im Herberg II" in Niederelbert ist abgeschlossen. Auf 45 neuen Bauplätzen ...

Tafel Koblenz: Wefelscheid lobt Engagement und schlägt Integrationsprojekt vor

Bei einem Besuch der Tafel Koblenz informierte sich der Landtagsabgeordnete Stephan Wefelscheid über ...

Themenvorschläge, Hinweise, Wünsche: Was möchten Sie bei den Kurieren lesen?

In unserer Region - Ihrer Heimat! - passieren oft Dinge, von denen wir als Redaktion nicht zwangsläufig ...

Weitere Artikel


Ärzte- und Apothekertag: Frühe Rheuma-Diagnose verhilft zu Lebensqualität

Zum vierten Mal hatte die Westerwald Bank in Kooperation mit der Landesärztekammer zum Ärzte- und Apotherkertag ...

Investitions- und Strukturbank informiert zu Wohnraumförderung

Die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) informiert auf ihrem ersten Beratertag Wohnraumförderung ...

Badeseen im Westerwaldkreis sind bakteriologisch unbedenklich

Im Westerwaldkreis sind derzeit vier Badegewässer offiziell von der EU anerkannt: Der Waldsee Maroth, ...

Neuer Spielplatz am „Bruchfloß“ in Selters eingeweiht

Die Kinder aus den zwei Kitas und dem Kinderhort in Selters dürfen sich freuen, heute (6. Juli) wurde ...

Autobahn: Nach Unfall über Mittelleitplanke geflogen

Glück im Unglück und Schutzengel an Bord hatte der Fahrer eines Kleinbusses am Vormittag des 6. Juli ...

Fehlstart vermeiden: Fünf Tipps für den Start mit dem E-Bike

Auch wenn es noch so einfach aussieht und man ja schließlich Radfahren gelernt hat: Der Umstieg auf das ...

Werbung