Werbung

Nachricht vom 07.02.2019    

Im Gedenken an die in den Konzentrationslagern Ermordeten

Zahlreiche Gäste waren der Einladung in die Marienstatter Annakapelle gefolgt, in der am 4. Februar abends eine Gedenkveranstaltung für die in den Konzentrationslagern Ermordeten stattfand. Den Denkanstoß für das vielfältige Programm lieferte Franziska Haas, eine ehemalige Marienstatter Abiturientin, die 2015 bei einem Besuch des Konzentrationslagers in Auschwitz bewegende Bilder machte, die sie in Marienstatt ausstellen wollte. Zusammen mit Religionslehrer Martin Kläsner organisierte sie nun eine beeindruckende Vortragsreihe, die musikalisch von der Band unter der Leitung von Tobias Hünermann und dem Grundkurs Musik der MSS 11, geleitet von Martin Wanner, untermalt wurde.

Gedenkveranstaltung des Privaten Gymnasiums Marienstatt: Franziska Haas, ehemalige Schülern und Fotografin der ausgestellten Fotos, Johannes Kempf und Martin Kläsner (links) als Organisator der Veranstaltung.

Marienstatt. Bereits bei der Eröffnung äußerte Martin Kläsner, dass es 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch unbegreiflich und erschütternd sei, wie Menschen ein solches Terrorregime, das die Welt von 1933 bis 1945 in Angst und Schrecken versetzte, schaffen konnten. Die von den Nationalsozialisten verübten Gräueltaten müssten für die gesamte Menschheit eine Mahnung sein, denn solch eine Entmenschlichung dürfe es nie wieder geben. Mit Demut wolle man nun den Ermordeten gedenken.

Marienstatter Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 10 und 12 lasen vielfältige Texte wie Gebete, Gedichte oder Augenzeugenberichte vor, die den Gästen einen individuellen Zugang zu diesem Unvorstellbaren ermöglichten. Die Texte waren so gewählt, dass sie sowohl aus der Opfer- als auch aus der Täterperspektive Einblicke in die Tötungsmaschinerie in Auschwitz gewährten.

Neben musikalischen Beiträgen aus dem Film „Schindlers Liste“ berichtete unter anderen Johannes Kempf, ebenfalls ein ehemaliger Schüler Marienstatts, über die Verfolgung der Juden in Hachenburg und die Deportation von Hachenburger Juden nach Auschwitz. In den 1930er Jahren habe die dortige Synagogengemeinde 123 Juden gezählt, von denen 60 nach Frankreich, England oder Amerika emigrieren konnten. Doch für einige der 60 sei die Flucht zur Mausefalle geworden. 42 Hachenburger Juden seien durch Erschießen, Erschlagen oder Folter getötet worden. Sicher belegt sei zudem, dass 9 Juden in Auschwitz in den Tod geschickt worden seien. In einem beeindruckenden Vortrag gelang es Johannes Kempf nach langen Nachforschungen diesen 9 Juden ein Gesicht zu geben. Er zeigte unter anderem überlieferte Fotos von den Getöteten und erzählte etwas aus deren Leben beziehungsweise wie es letztendlich zur Deportation kam.



Bevor Schulleiter Andreas Wiemann-Stuckenhoff den Akteuren, die dieses tiefgreifende Programm organisiert hatten, dankte, beteten die Anwesenden gemeinsam den Kaddisch. Dabei handelt es sich um ein jüdisches Gebet, das traditionell an den Gräbern der verstorbenen Juden gebetet wird. Mit den Worten „Durch die gezeigten Bilder, die Musik und die facettenreichen Texte bekommt das Thema rund um ehemalige Bürger unserer Gegend eine neue Dimension“, fand diese Gedenkveranstaltung ihren Ausklang. (PM)


Lokales: Hachenburg & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum WW-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Westerwaldkreis.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Das Raiffeisenmuseum in Hamm: Genossenschaftsidee zum Anfassen

Im kleinen Hamm an der Sieg steht das Geburtshaus des großen Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888), ...

Montabaur feiert erfolgreiche Premiere der Lachnacht

Die "1. Montabaurer Lachnacht" lockte am 2. April zahlreiche Besucher in die Stadthalle Haus Mons Tabor. ...

Generationenwechsel im Berufsbildungsausschuss der HwK Koblenz

Der Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer Koblenz hat sich neu formiert. Langjährige Mitglieder ...

Einführung von Pfarrer Michael Zopf in Rennerod: Ein neuer Abschnitt für die Gemeinde

Die Evangelische Kirchengemeinde Rennerod hat Pfarrer Michael Zopf in einem festlichen Gottesdienst offiziell ...

Abiturfeier am Mons-Tabor-Gymnasium: Ein magischer Abschied

Am 31. März verabschiedete das Mons-Tabor-Gymnasium 95 Abiturientinnen und Abiturienten. Die Feierlichkeiten ...

Schock auf dem Brüse-Hof: Schafe durch Wolfsriss in Selters getötet

Hannah Becker ist eine von vielen Hobbyzüchterinnen einer Schafsherde im Westerwald. Sie hatte die Debatte ...

Weitere Artikel


Höhere Förderung für kommunalen Straßen- und Radwegebau

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hat die Fördersätze für kommunale Infrastrukturmaßnahmen ...

Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige in Bad Marienberg

Die Pflege-Selbsthilfe c/o WeKISS mit Sitz in Westerburg möchten in Kooperation mit dem Pflegestützpunkt ...

Feuer und Stein in der Vulkaneifel

Das größte Eifelmaar – ein mit Wasser gefüllter Vulkantrichter-, faszinierende Naturlandschaften sowie ...

Veranstaltung: Radverkehrskonzept für bessere Mobilität im Westerwald

„Radverkehrskonzept als Chance für eine bessere Mobilität im Westerwald“ lautete das Thema einer Veranstaltung ...

Westerwälder CDU erstellte Kandidatenliste für Kreistagswahl

In einer mit knapp 200 Teilnehmern sehr gut besuchten Mitgliederversammlung haben die Westerwälder Christdemokraten ...

Sandra Schlotter ist neue Obermeisterin der Friseure

Die Friseur- und Kosmetik-Innung Rhein-Westerwald steht unter neuer Leitung: Zur neuen Obermeisterin ...

Werbung