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Nachricht vom 01.11.2019    

Jeder Schritt zählt: So sinkt das Schlaganfallrisiko

Einer von vier Menschen wird im Laufe seines Lebens einen Schlaganfall erleiden. „Don’t be the one!“ lautet der Slogan zum Welt-Schlaganfalltag in diesem Jahr. 70 Prozent aller Schlaganfälle sind vermeidbar - insbesondere durch mehr Bewegung. Hauptrisikofaktor ist Bluthochdruck. „Jeder Schritt zählt“ war deshalb das Motto des diesjährigen Aktionstages.

Chefarzt Dr. Christoph Oberwittler, vor vollem Haus zur Prophylaxe des Schlaganfalls. Fotos: St. Vincenz-Krankenhaus Limburg

Limburg. Dr. Christoph Oberwittler, Chefarzt der Neurologie am St. Vincenz-Krankenhaus Limburg, nahm dies zum Anlass, im Rahmen der Vortragsreihe „Visite im Vincenz“ darüber aufzuklären, welches Risiko der Durchschnittsbürger hat und wie man sein persönliches Risiko einschätzen und reduzieren kann. Denn auch dabei zählt jeder Schritt, so der Neurologe. Zahlreiche Besucher hatten die Gelegenheit wahrgenommen, sich zu informieren und im Anschluss an den Vortrag das Gespräch mit dem Experten zu suchen.

TIA oder Schlaganfall – beide sind ein Notfall! Halbseitige Lähmungserscheinungen und/oder Taubheitsgefühle auf einer Körperseite seien immer ein Hinweis auf eine Störung im Gehirn, so der Neurologe. Auch herabhängende Mundwinkel, Sprach- und Sprechstörungen, die Unfähigkeit, Gesagtes zu verstehen sowie Seh- und Gangstörungen sind Symptome, die auf einen Schlaganfall hindeuten. Betroffene seien zuweilen unsicher, ob ein relevantes Symptom vorliege. Vielfach gehe einem Schlaganfall eine so genannte Transitorische Ischämische Attacke voraus, abgekürzt TIA. Ein Teil solcher TIA sind kleine Infarkte, die als Läsionen im MRT nachweisbar sind. Frühe Diagnostik und Sekundärprophylaxe können das Schlaganfallrisiko erheblich reduzieren. Beide, TIA und Schlaganfall, sind Notfälle. Tritt ein verdächtiges Symptom auf, sofort 112 wählen, denn mit jeder Minute, die ungenutzt verstreicht, nimmt das Gehirn mehr Schaden.

Im Krankenhaus können auf einer Stroke Unit, auch Schlaganfallakutstation genannt, Patienten umgehend untersucht und spezielle Therapien eingeleitet werden, unter anderem eine Lysetherapie. Dabei versucht man auf medikamentösem Weg, das Gerinnsel aufzulösen und das verstopfte Hirngefäß wieder durchgängig zu machen. Diese ist nicht bei jedem Patienten anwendbar, aber es gibt darüber hinaus noch weitere Therapiemöglichkeiten.

Was kann man tun, damit es gar nicht so weit kommt? Für die primäre Prävention haben sich folgende Risikofaktoren als relevant erwiesen, so der Mediziner: hoher Blutdruck, Vorhofflimmern, Diabetes mellitus, Karotisstenosen (Verengung hirnversorgender Gefäße), Herzinfarkt, hohes Cholesterin, Hyper-Homocysteinämie (erhöhte spezielle Blutwerte), Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, körperliche Inaktivität, Übergewicht sowie eine gewisse genetische Veranlagung. „Es gibt Risikofaktoren, die man nicht ändern kann“, so Dr. Christoph Oberwittler, „wie eine genetische Disposition. Aber das ist ein Grund mehr, auf die anderen, beeinflussbaren Faktoren einzuwirken.“ Auf diese Weise könne man sein Risiko deutlich minimieren. Als wichtigste Komponenten zum Gegensteuern nannte er Bewegung, Ernährung und Körpergewicht, Rauchen, Alkohol sowie Stressreduktion. Oft könne man schon durch kleine Änderungen der Lebensweise positive Effekte erreichen.



Bluthochdruck als Hauptrisikofaktor
Risikofaktor Nummer eins für Schlaganfälle ist Bluthochdruck, warnte er. Nur etwa jeder Zweite wisse überhaupt, dass er Bluthochdruck hat. Als hochnormal gelte noch ein Blutdruck bis 139/89. Ab einem Blutdruck von 140/90 spreche man von Hypertonie, die einer Behandlung bedürfe. Neben einer medikamentösen Behandlung riet er zur Gewichtsabnahme, Alkoholreduktion, weniger Salzkonsum, stattdessen mehr Kalium sowie Kalzium und Magnesium. Wenn der Blutdruck sinkt, sinkt auch das Schlaganfallrisiko, so Oberwittler, laut Studien um bis zu 42 Prozent gegenüber Vergleichsgruppen. Insofern gelte auch hier: Jeder Schritt zählt. Ein weiterer bedeutender Risikofaktor sei Diabetes mellitus. Davon sei auszugehen ab einem Blutzuckerwert von 130 mg/dl. Auch hier könne es eine gewisse familiäre Vorbelastung geben. Aber auch hier wirke sich Bewegung auf jeden Fall positiv aus, darüber hinaus sollte man das Gewicht reduzieren und den Zuckerkonsum einschränken. Wer noch raucht, sollte dies auf jeden Fall lassen. Nach zwei Jahren betrage das erhöhte Risiko schon nur noch 50 Prozent gegenüber Nichtrauchern und nach fünf Jahren sei es ganz und gar gleichauf. Alkohol sollte, wenn überhaupt, höchstens in sehr geringen Mengen konsumiert werden.

Ausführlich schilderte der Mediziner, wie wichtig körperliche Aktivitäten jeder Art sind und wie sie sich auf nahezu alle Erkrankungsbilder positiv auswirken. „Körperlich aktive Menschen haben ein niedrigeres Risiko für Schlaganfall und Tod als inaktive Personen“, sagte er. Dieser Effekt beruhe auf der positiven Wirkung der Bewegung auf Körpergewicht, Blutdruck, Cholesterinwert und Glucoseverwertung. Regelmäßige Aktivitäten von mindestens drei Mal 30 Minuten pro Wochen, die WHO empfehle sogar fünf Mal pro Woche, gingen mit einem um ein Viertel reduzierten Schlaganfallrisiko einher. Wenige Aktivitäten seien immer noch besser als gar keine. Jeder Schritt zählt, so Dr. Oberwittler. Darüber hinaus empfahl er gesunde Ernährung, beispielsweise nach klassisch mediterranem Vorbild. Kaffee und Tee seien entgegen früheren Warnungen unbedenklich. Schließlich riet er jedem, sich ein individuelles Stressmanagement zu schaffen, da auch dies erheblich zur Risikoreduktion beitrage. Sein Fazit: Jeder noch so kleine Vorteil führe in der Summe mit anderen kleinen Vorteilen zu einer Risikoreduktion. Jeder Schritt zählt, also auch jeder Schritt, der das Risiko mindert. (PM)



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