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Nachricht vom 24.01.2016
Politik
Schreibn nach gehöa –die Krux mit der Rechtschreibung
Die Konrad-Adenauer Stiftung lud gemeinsam mit der CDU Westerwald zu einem Diskussions- und Vortragsabend zur Bildungspolitik ein. Referent Josef Kraus statuierte, immer weniger Kinder könnten noch eine lesbare Handschrift anwenden und mehrstündige Prüfungen könnten sie kaum noch durchhalten. Schuld sei die Bildungspolitik.
CDU-Abend zu Bildungspolitik. Foto: CDU.Montabaur. Die stellvertretende Kreisvorsitzende Jenny Groß begrüßte die Anwesenden in der sehr gut besuchten Bürgerhalle Montabaur und machte direkt ein einigen Beispielen deutlich, dass die rotgrüne Landespolitik im Bildungssektor versagt habe und es nun an der Zeit sei, für Ruhe und gute Rahmenbedingungen an den Schulen zu sorgen. „Der Wille, einen Text fehlerfrei abzuschreiben und dies auch noch leserlich, ist bei vielen Kindern nicht mehr vorhanden. Alles soll nach Möglichkeit abgekürzt werden dürfen und am liebsten in Stichworten zu beantworten sein“, erzählte Jenny Groß aus der Praxis. Ob Universitäten oder Ausbildungsbetriebe, sehr oft klagen diese darüber, dass ihre neugewonnenen Studenten oder Azubis nicht mehr in der Lage seien, eigene Texte fehlerfrei aufs Papier zu bringen. „Wir dürfen unsere Kultur nicht zum Ausverkauf stellen!“, mahnt Groß an.

Mit Spannung sah die Landtagsabgeordnete Gabi Wieland dem Vortrag entgegen. Sie hat Kraus in der Vergangenheit schon mehrfach erlebt und findet Kraus Analysen als sehr konstruktiv, gerade auch, weil die Politik nicht immer den Gefallen des Kritikers findet. „Die Eltern werden angehalten, die Fehler ihrer Kinder nicht mehr zu verbessern und das Erlernen der Schriftsprache so hinzunehmen. Selbstverständlich ist dies ein Zustand, der für erhitzte Gemüter sorgt“, sagt Wieland. Die CDU-Landtagsabgeordnete steht für eine Bildungspolitik mit Inhalten statt Experimenten.

Immer weniger Kinder können noch eine lesbare Handschrift anwenden. Das Smartphone habe die Schüler im Griff. Manche bemalen ihre Diktatzettel großflächig, klein und krakelig dazwischen der Text. Heute könnten Schüler mehrstündige Prüfungen kaum noch durchhalten. Heraus kämen unleserliche Texte. Mit diesen prägnanten Aussagen startete Josef Kraus in seinen Vortrag.

Für Kraus ist der Sprachverfall mehr als beunruhigend. „Die Bildungsreformen der vergangenen Jahre haben für die Zukunft schlimme Konsequenzen, sie alle gehen zu Lasten schwacher Schüler.“ Derzeit werden an deutschen Schulen im Schnitt nur noch 16 Prozent des Unterrichts im Fach Deutsch unterrichtet. Im Vergleich dazu haben alle anderen europäischen Länder einen Unterrichtsanteil in der eigenen Sprache von 22 bis 28 Prozent. Ein Gedicht auswendig zu lernen, wird heute nicht mehr verlangt und schlimmer noch: Selbst bei Abitur-Prüfungen werde Halbwissen bereits durch die Multiple Choice Methode oder das Ausfüllen von Lückentexten gefordert und gefördert. Die derzeitig betriebene Bildungspolitik setze auf Minimalismus, es fehlen konkrete Inhalte in den Lehrplänen.

Für den fortschreitenden Verfall der deutschen Sprache machte Kraus weniger die Pädagogen mehr die Politik verantwortlich, die die zunehmende Verunglimpfung der Muttersprache zulasse.

Besorgniserregend sieht Kraus auch, dass immer weniger Kinder eine leserliche Handschrift haben. Das sei dem Umstand geschuldet, dass bereits zu früh der Umgang mit der Tastatur gelehrt werden, eine klare Handschrift gerät so ins Hintertreffen, doch gerade sie vermittle nun mal Identität und Individualität. Entsprechend verurteilte Kraus Pläne einiger Kultusministerien, die in künftig mit Schulbeginn Tastatur-Schreiben, aber keine Handschrift mehr, vermitteln wollen.

Die anschließende Diskussion zeigte schnell die entstandene Verunsicherung. Eltern wollten die gleiche Notengebung bei völlig unterschiedlichem Leistungsverhalten erklärt haben. Das unzureichende Ausbilden von jungen Lehrern und die begründete Sorge um unsere Handschrift wurden deutlich. Überwiegend gab es Plädoyers für die altbekannte Lehrmethode, doch auch eine junge Lehrerin machte deutlich: „Wird die neue Lehrmethode Schreiben nach Gehör richtig angewandt, ist das Ergebnis nicht mehr oder weniger schlecht als die alte Methode.“ Doch dafür müssten die Grundschullehrer Deutsch als Hauptfach studieren, denn das Lesen von drei Seiten in einem Buch reiche bei Weitem nicht aus.

Klaus Lütkefedder, Mitglied des CDU Landesvorstandes, bedankte sich bei Josef Kraus und resümierte: „Ihr Vortrag war sehr anschaulich, einige Passagen hätten gewiss auch Platz für einen Beitrag in einer Fastnachtssitzung, weil die Bildungspolitik im Land ad Absurdistan betrieben werde.“
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